Montag, 22. Oktober 2007

sex in der freizeit

Liebe Sexperten!

Als ich vor einem Monat aus dem Urlaub zurückflog, verteilte die nette Flugbegleiterin neben vielen weiteren illustren Printwerken auch die Wochenendausgabe des KURIERs. Also gleich mal die Hand hoch und ein Exemplar abgestaubt. Als innerste Lage befand sich in diesem beachtlichen Papierberg ein beigelegtes und auf Hochglanz gestyltes Lifestyle-Magazin namens FREIZEIT (Nr. 930, 29. September 2007), welches unglaublich stylisch und stilsicher den Style des frühen 21. Jahrhunderts einfing. Da werben nämlich nicht irgendwelche Firmen, sondern Hermès, Lancome und Vichy. Von der Popnymphe Rihanna bis zum bösen Mädchen Amy Winehouse geben sich hier alle angesagten Superstars ein Stell-dich-ein. Nur der MERKUR stört das ansonsten ungetrübte und kosmopolitisch orientierte Lesevergnügen mit seiner vulgären Darstellung einheimischer Kürbisse, von IGLO Rotkraut, Hirschsalami und Wildschweinschinken. Pfui gack!
Beim Durchblättern der hippen Hochglanzseiten stieß ich auf Gabriele Kuhns Kolumne "sex in der freizeit" (S. 58). Was auf den ersten Blick wie "Sex in der Freizeit" aussieht, ist in Wirklichkeit die Sexkolumne in der FREIZEIT. Na, das doppelbödige Wortspiel schon gecheckt? Ich habe auch Tränen gelacht, weil bei so urlustigen Ideen muss ich mir fast immer in die Hose wischeln vor lauter Lachen.
In dieser Ausgabe beschäftigte sich die Gabi mit ...

Kommen. Karotten. Und Kredite.
Orgasmusprobleme? Kein Thema für die moderne Frau von heute! Also hopp, ins Bett.

Also, das war ja nun wirklich eine tolle Sache! Als langjähriger Abonnent von COSMOPOLITAN und eingeschworener Fan der dazupassenden Fernsehserie SEX IN THE CITY war ich natürlich schon mit allen Facetten des Themas bestens vertraut. Wie für jeden vernünftigen und aufgeschlossenen Menschen des 21. Jahrhunderts ist natürlich auch für mich Sex das wichtigste Thema überhaupt, über das überall und ununterbrochen geredet werden soll. Deshalb liest man doch die COSMO, damit man sextechnisch vorne mit dabei ist: Was tun, damit er nicht schon beim sechsten Mal schlapp macht? Welche Intimpiercings machen dich und ihn so richtig geil? Wie verführe ich den besten Freund meines Freundes? Welcher Sextyp ist mein Hund? Welcher Dildo passt zu meinem Make-up? etc.
Aber dass sich die Gabi da so mir nichts dir nichts an dieses Thema heranwagt? Schließlich sind Österreicher als kleinkarierte Spiesser bekannt! Dann dachte ich mir, dass der KURIER immerhin in Wien verlegt wird, einer absoluten Weltmetropole, und da kann eine Journalistin im superaufgeklärten 21. Jahrhundert ruhig einmal über Karotten schreiben.
Alle Achtung, Gabi, wie du dich - ohne dir ein Blatt vor den Mund zu nehmen - ganz frei über das "Vögeln", wie du es nennst, schreiben traust:

"Orgasmus meine Damen? Von wegen Probleme! Nur kein Raunzen, weil es ist ja eigentlich eh alles voll easy. Schluss mit der Jammerei, dass das nix wird mit dem Tiger-Feeling im Becken. Positiv denken, positiv vögeln - aber hurtig. Wird ja höchste Zeit in Zeiten maximaler Vereinfachung - simplify your life, simplify your Koitus. Und wer's nicht kann, schnappt sich einen Ratgeber. Oder einen Coach. Oder eine von hundert Lifestyle-Gazetten. Aus denen purzeln die praktischen Kommen! schneller! besser!-Rezepte wie Gummibären aus dem Haribo-Sackerl: ein bisserl ein Schaumbad, vier bunte Duftkerzen, ein brunftig duftendes Massageöl von rauer Männerhand an probaten Stellen appliziert. Was nicht schaden kann: Der eine oder andere kundige Griff an die "Hot Spots" der Weibsen: Schleckerli hier, Beißerli da. Am Ohr, am Hals, im Nacken, an den Brustwarzen. Und sonst: Zwei, drei Gläser Perlwein, schamlippenfreundlicher Sound aus dem Ipod-Lautsprecher, schmutziger Smalltalk - und schon schnurrt der Genitalbereich wie ein Lamborghini. Das wird schon, Mädels. Weil: So einfach ist das.
Genauso einfach wie unser süßes Frauenleben an sich. Während wir nämlich am optimierten Orgasmusverhalten werkeln (Eintrag im BlackBerry: Beckenbodentraining checken!), schaukeln wir unser Dasein im Multitasking-Verfahren. Der angetraute Möchtegern-Bescherer unserer multiplesten aller multiplen Höhepunkte findet seine mittelgraublauen Socken nicht. Wir helfen. Auch das tiefblaugraue Hemd scheint in Verlust geraten. Wir suchen mit. Im gleichen Augenblick pieselt das Kind mit dem Nutella-Goscherl auf das Designer-Sofa. Wir wischen oben, wir wischen unten. Das Hemd ist da, der Mann ist weg, das Kind ist trocken. Der Chef wartet, das Handy läutet. Die Kindergärtnerin will mit uns über die Rezeptur der Karottenmuffins für das Erntedankfest plauschen. Da raunzt der BlackBerry - E-Mail. Der eheliche Orgasmus-Bescherer fragt an - Dringlichkeitsstufe ampelrot - wie die Termine fürs Wochenende aussähen. Es gäbe da eine legere Einladung zum Golfturnier. Antwort jetzt. Das Kind will will nicht ins Karottenmuffin-Reich, sondern lieber aus unserem Businesskostüm Fäden ziehen. Der nächste Patient am Ende der Handyleitung braucht den 8000-Zeichen-Text heute noch. Sofort! Verstanden? Verstanden. Achja, was die Kindertante noch sagen wollte: Blöd, aber die Kopfläuse sind wieder da. In der Apotheke stehen vier andere Mütter vor uns. Eine telefoniert und klaubt gleichzeitig das Geld für vier Kopflaus-Artillerien aus ihrem Börsel. Die andere kauft Hustensaft für die zwei Kinder, die soeben den Hansaplast-Ständer zum Karussell umfunktionieren. Sie niest. Wir niesen. Wir haben Husten, Schnupfen und Kreditverhandlungen am Hals. Das Kind kommt mit Kopfläusen nach Hause. Die Gäste kommen auch, der Hund hat allerdings den Braten gerochen und leider schon gefressen. Wir organisieren mit dem Handy den Pizzaservice. Die Gäste lachen, wir starren ein Luftloch in den Abend.
Auszug aus dem Orgasmus-Ratgeber - Neun von zehn Frauen sagen: "Damit ich erregt werde, muss die Stimmung passen.""

Welch herbe Enttäuschung! Hinter dem Sexluder Gabi Kuhn verbirgt sich auch nur ein Uschi Fellner Klon, also noch eine gefrustete Edelhausfrau, die um unser Mitleid winselt. Das Schicksal meint es auch wirklich hart mit manchen unter uns: Einfamilienhaus, Dinnerparties, Golfturniere am Wochenende, ein ganzes Kind, ein Hund, BlackBerry, Businesskostüme, etc. Wenn sie ein Spendenkonto hätte, würde ich sofort eine erhebliche Summe einzahlen. Arme Sau!

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Montag, 16. Juli 2007

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Liebe Vertrauensselige!

Ich muss mich natürlich sofort für meinen letzten BLOG Eintrag entschuldigen, in dem ich Ingrid Thurnher wegen ihrer Artikulationsschwierigkeiten und der Banalisierung der deutschen Sprache als ungeeignet empfand, die Hauptnachrichten zu moderieren. In der großen ÖSTERREICH Exklusiv-Umfrage der gestrigen Ausgabe (Sonntag, 15. Juli 2007) wurde sie auf Platz 4 der vertrauenswürdigsten ÖsterreicherInnen gewählt. Hier die Rangliste:

1. Hugo Portisch (79 Punkte)
2. Heinz Fischer (78 Punkte)
3. Franz Klammer (64 Punkte)
4. Ingrid Thurnher (62 Punkte)
5. Armin Assinger (62 Punkte)
6. Christiane Hörbiger (57 Punkte)
7. Helmut Zilk (53 Punkte)
8. Danielle Spera (52 Punkte)
9. Willi Resetarits (43 Punkte)
10. Anna Netrebko / Markus Rogan (39 Punkte)
12. Barbara Stöckl (31 Punkte)
13. Wolfgang Ambros (29 Punkte)
14. Udo Jürgens (23 Punkte)
15. Harald Serafin (22 Punkte)
16. Josef Hickersberger (21 Punkte)
17. Erwin Buchinger (20 Punkte)
18. Alfons Haider (19 Punkte)
19. Gerda Rogers (19 Punkte)
20. Didi Mateschitz (18 Punkte)
25. Christina Stürmer / Armin Wolf (14 Punkte)
30. Alfred Gusenbauer (7 Punkte)
31. Alexander Van der Bellen (4 Punkte)

Das ist unglaublich! Ihr Kollege Armin Wolf muss sich Platz 25 mit Christl Stürmer teilen, ganze 6 Plätze hinter Chefastrologin Gerda Rogers. Also nochmals: Entschuldigung, Frau Thurnher! Ich gebe nun auch zu, dass ich mich von meiner heimlichen Verehrung für Anne Will habe blenden lassen.
Man muss die ganze Sache natürlich auch in Relation sehen. Im Vergleich zu anderen Promi-Journalistinnen ist Ingrid Thurnher eine wahre Lichtgestalt am Publizistikhimmel. Um ihre Sprachgewandtheit und intellektuelle Überlegenheit hervorzuheben, zitiere ich nun wortwörtlich Uschi Fellners letzte Kolumne aus der Life&Style Beilage der gestrigen ÖSTERREICH Ausgabe:

SPAGHETTI ALS SINN DES LEBENS
Und was kochen Sie eigentlich immer?

Jeder hat im Leben seine ganz spezielle Aufgabe zu erfüllen, meine besteht darin, Spaghetti zu kochen. Wöchentlich, täglich, stündlich. Große Mengen, riesige Mengen, Berge, Täler, Ozeane voll Spaghetti. Man könnte das wahrscheinlich mit Starkstrom oder so therapieren, es würde aber nicht viel nützen. Nach der Spaghetti-Therapie würde ich den nächsten Herd anpeilen und, na, Sie wissen schon was kochen.
Mein Irrsinn hat natürlich einen ernsten Hintergrund, denn stelle ich an meine Kinderschar die Frage: "Was wollt ihr heute, morgen, nächste Woche, nächstes Jahr, am 3.3.3003 und bis zum jüngsten Tage essen?", ruft die Sippe froh im Chor: "Schpagetti, Schpagetti, Schpagetti!" Ich müsste selbstverständlich gar nicht fragen. Könnte wortlos heimkommen, Spaghetti kochen und mich still wieder vertschüssen, unter Hinterlassung einer Monatsration.
Kürzlich träumte ich von riesigen Spaghetti, die mich umschlangen und zerdrückten, und ich wurde immer kleiner und verzagter und zerfiel zu Kompost. Und aus meinen Überresten wuchs ein prächtiger Spaghetti-Baum, und meine Kinder pflückten von mir täglich die Spaghetti ab und rieben sich die Bäuche.
Am nächsten Tag kochte ich zur Abwechslung etwas mit wertvollen Vitaminen und Inhaltsstoffen, ich hackte und briet und rührte und schnitt und schepperte mit einem Dutzend Töpfen und als ich die gesunde Kost beisammen hatte, waren die Kinder schon gegangen um sich an der nächsten Ecke Spaghetti zu bestellen. Und so weinte ich allein in meine Petersilien-Laibchen, ich weinte um die Zukunft meiner Sippe, denn es ist ein unschönes Gefühl zu wissen, dass sie demnächst an Skorbut zugrunde gehen wird.

In dieser Kolumne ist nur ein einziger Satz von Bedeutung: "Mein Irrsinn hat natürlich einen ernsten Hintergrund." Es fällt einem ja oft schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen, weil sich so viel Schrott hinter einer strahlenden Oberfläche verbirgt, aber in diesem Fall ist es ein Kinderspiel. Hier handelt es sich nämlich um Spreu nach dem Einsatz, wenn eine ganze Rinderherde in Stallhaltung eine Woche lang hemmungslos draufscheisst. Ich möchte aber mit Argumenten und nicht mit Pauschalurteilen punkten:

1) Die Witze sind grottenschlecht. Das könnte aber auch daran liegen, dass ich genetisch nicht dazu im Stande bin, Frauenhumor zu verstehen. (Siehe meinen Eintrag vom 6. November 2006.)
2) Die Anbiederung an eine imaginäre Schwesternschaft aller Frauen finde ich zum Kotzen. Uschi Fellner stylt sich hier als Parademutter, die sich für ihre Kinder aufopfert. Jede Frau kennt anscheinend genau diese Situation und findet sie deshalb so unglaublich witzig und relevant: "Die Uschi hat ja so recht. Mein kleiner Maxi will auch nur Spaghetti und Schokolade essen. Und die Idee mit dem Spaghetti-Baum ist sowieso urlustig."
3) Das sprachliche Niveau ist unter jedem Hund. Scheinbar soll diese Banalisierung zum humoristischen Gesamtkunstwerk beitragen, aber ... siehe Punkt 1).

"Mein Irrsinn hat natürlich einen ernsten Hintergrund." Ich finde es ja gut, dass in modernen Therapieformen die Patienten sofort wieder in den Arbeitsprozess eingebunden werden, aber muss eine geistig verwirrte Journalistin tatsächlich wieder schreiben? Also, Hut ab, Frau Thurnher, und weiter so. Da sehe ich mir liebend gerne ihren täglichen sprachlichen Hürdenlauf als sportliches Großereignis im Fernsehen an.

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Dienstag, 27. Februar 2007

Ohne Dich ist alles doof

Liebe Schafliebhaber!

Manchen Dingen entkommt man nicht. Dazu zählt auch Stefanie "Steff" Rölz mit ihren Schafen. Was ursprünglich als private Leidenschaft begann, ist mittlerweile ein Firmenimperium, dessen dunkle Machenschaften auf www.sheepworld.de dokumentiert sind. Bei so viel zuckersüßer Niedlichkeit und sprachlicher Banalität denkt man natürlich sofort an Kinder. Aber nein: Wie auch der Laie hier unschwer erkennen kann, handelt es sich bei der Zielgruppe um schwer Verliebte und, wenn mir die Einschränkung gestattet sei, um schwer verliebte Frauen. Liebe macht bekanntlich blind. Aber was bedeutet das?

Auf einen Schlag verschieben sich nicht nur alle Prioritäten und Wertigkeiten, sondern auch die normalen Analyseraster bei der Wahrnehmung der Außenwelt. Plötzlich ist alles andere doof und der eine Angebetete das strahlende Zentrum der Welt. Steff rölzt dazu folgende Verslein:

Die Sonne strengt sich mächtig an
und scheint so strahlend sie nur kann.
Mit Dir wär das auch sicher toll,
doch ohne Dich nervt mich das voll ...

Ich bin kein Dichter und kein Philosoph,
doch:
Ohne Dich ist alles doof.

Was denkt sich der Normalo-Mann bei einem solchen Liebesbeweis?
Wenn er nicht gerade selbst total verliebt ist und sowieso alles toll findet, dann blickt er relativ schnell den Tatsachen ins Auge:

(1) Unter keinen Umständen gehöre ich zur Zielgruppe dieser Schäfchenwelt. Die Bildchen sind für Kinder und die Reime tun wirklich weh. Als symbolische Geste mag das ja ganz lieb gemeint sein, aber ich kann das Buch unmöglich irgendwo aufstellen.

(2) Hoffentlich meint sie das nicht ernst. Dann sitze ich nämlich den Rest meines Lebens bei ihr auf der Couch (so nett das auch sein mag). Bei aller Liebe: Hast du wirklich nichts Besseres zu tun als dein Leben nach mir auszurichten? Manche Männer mögen das zwar ganz toll finden, aber mir wäre es sehr recht, wenn du deine eigenen Sachen durchziehst. Privatleben heißt nicht automatisch Leben zu zweit: Jeder sollte auch ein bisschen Freizeit unabhängig vom anderen haben.

Hier also der Rat an alle Frauen: Wenn man seinem Liebsten etwas ganz Süßes schenken will, dann hat er mit einer Tafel Schokolade die meiste Freude.

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Montag, 20. November 2006

Nachspeisen

Liebe Naschkatzen!

Im Kontakt mit fremden Kulturen und unbekannten Lebensformen stößt man hin und wieder auf Verhaltensweisen, die einem höchst eigenartig erscheinen. Dies trifft vor allem auf den Umgang mit Frauen zu. Weil man als Mann ständig bemüht ist die Rechenleistung seines Gehirns niedrig zu halten um seinen jämmerlichen Arbeitsspeicher zu schonen, dringen viele Phänomene der Außenwelt gar nicht ins Bewußtsein vor. Erst in der direkten Auseinandersetzung mit bis dato unbekannten, um nicht zu sagen unheimlichen Vorgängen, wird man auf diese aufmerksam. Aus einer Fülle von denkbaren Beispielen wähle ich ein konkretes aus, anhand dessen sich, wie bei allen kulturellen Praktiken, die Eigentümlichkeiten von Denk- und Verhaltensweisen sehr schön aufzeigen lassen. Es geht, wie im Titel bereits angekündigt, um Nachspeisen.

Nähert man sich dem Phänomen der Nachspeise einmal möglichst objektiv an, stolpert man rasch über die ersten Widersprüche. Warum kommt jemand auf die wahnsinnige Idee und möchte nach der Hauptspeise, die vermutlich so genannt wird, weil man da einen Großteil seines täglichen Kalorienbedarfs abdeckt, noch etwas zu sich nehmen? Und zwar nichts Leichtbekömmliches, sondern die süßesten Leckerlis dieser Welt: Schokotorte, Topfenknödel mit Kompott, Heiße Liebe und ähnliche von hausbauenden Zahnärzten empfohlenene Kalorienkonzentrate.
Man löffelt sich also brav durch die Suppe, bestellt sich einen Teller voll von köstlichem Essen, trinkt etwas dazu und wenn man dann so richtig satt ist, kommt einem plötzlich die zündende Idee: Wenn ich schon mal hier am Tisch sitze, könnte ich ja gleich noch Eispalatschinken reinwürgen, denn bekanntlich hat der Mensch fünf Minuten nach Abschluss des Mittagessens den größten Hunger.
"Halt!" ruft da die Freundin des süßen Danachs. "Ich plane ja voraus. Beim Essen darf nämlich nichts dem Zufall überlassen werden! Zuerst suche ich auf der Karte die Nachspeise aus und entscheide dann, was vorher dazupasst."
Die Nahrungsaufnahme der Frau ist wie das Sonarsystem des Wals: beides hochintelligente Wesen, die einen Großteil ihrer Rechenkapazität für einen bestimmten Teilbereich ihres Lebens einsetzen. (Magersüchtige sind das extremste Beispiel: die essen gar nichts mehr, denken aber gleichzeitig ausschließlich an ihre Essstörung.) Männer haben in der Regel kein Problem, weil sie ganz einfach essen, wenn sie Hunger haben oder plötzlich Lust auf etwas verspüren. Das Großhirn, um etselbiges nicht zu überlasten, ist beim Nachspeisenbestellen nur für Sekundenbruchteile peripher tangiert: will Eis haben - "Ober, Bananensplit!" - mission accomplished. Frauen haben es da nicht ganz so leicht, weil ihr Essverhalten von tausend Regeln bestimmt ist, von denen ich nur die zwei einfachsten Prinzipien präsentieren möchte:

1) Ich darf nicht außerhalb der von mir fix eingeplanten Zeiten Nahrung zu mir nehmen - Hunger hin oder her.
2) Ich darf nichts spontan essen, worauf ich gerade Lust habe, weil jede Kalorie genau in meinen faschistischen Diätplan passen muss. Wenn ich da einmal über die Stränge schlage, muss ich mich nicht nur vor anderen, sondern vor allem vor mir selbst rechtfertigen und für den ganzen Tag den Speiseplan umprogrammieren, weil am Ende wieder die selbe Kalorienmenge rauskommen muss.

Wenn Frauen aber gerne süße Sachen essen, tun sich folgende Probleme auf: Regel 1 verbietet, dass man außerhalb der kulturell sanktionierten Zeiten isst. Wenn man den Tag nicht gleich beim Frühstück mit einem Stück Kuchen beginnen will (den ganzen Tag lang ein schlechtes Gewissen), bleibt eigentlich nur die Nachspeise. Regel 2 besagt, dass man das Stück Kuchen nicht zusätzlich essen darf, also muss die Hauptspeise zur Nebenspeise degradiert werden, damit das Nullsummenspiel wieder stimmt. Das hat wiederum zur Folge, dass man gewisse Sachen auf der Speisekarte gar nicht bestellen darf, weil es keine Kinderportionen gibt und man nicht das halbe Essen stehen lassen will. Deshalb sind Frauen auch begeisterte Buffetesser, weil man sich da alles selbst aussuchen darf. Es hat auch noch den zusätzlichen Vorteil von überall ein bisschen was zu bekommen.
Dieses Buffetdenken überträgt sich leider auch auf die herkömmliche Restaurantsituation, in der eigentlich jeder für sich bestellen und mit seiner eventuellen Fehlentscheidung zurechtkommen müsste. Frauen neigen hingegen dazu, die Gabel über den eigenen Tellerrand hinauswandern zu lassen, um stichprobenartig alles zu probieren, was der Tisch, an dem man gerade sitzt, hergibt: "Mmmm. Was hast du denn da bestellt? Das sieht ja ganz besonders lecker aus. Dürfte ich da mal ...? Hmmm. Jetzt musst du aber auch bei mir kosten." Während Männer das Essen zum Anlass nehmen, um über andere Dinge zu reden, wird hier schon wieder über Essen geredet und nachgedacht: "Neulich, als wir beim neuen Italiener waren, da gab's so tolle Gnocchi, da müsst ihr unbedingt einmal hin." Und die andere sagt: "Jetzt habe ich mir dieses Bollywood-Kochbuch gekauft, weil mich das immer schon so interessiert hat." Und die dritte: "Also ich finde den Jamie Oliver immer noch am sympathischsten, obwohl er so fett kocht."
Wenn sich zu diesen neurotischen Tendenzen dann noch die echte Lebenskrise dazuschlägt, wundert es mich wenig, dass gerade der Bereich krankhaft wird, zu dem man schon die ganze Zeit ein gestörtes Verhältnis hat. Warum muss ich als Frau meinen morgendlichen Kalorienspiegel so niedrig halten, dass ich schon in der Früh der Mittagszeit entgegenfiebere, um endlich was essen zu dürfen? Wahrscheinlich sind wir Männer schuld, weil wir nur schlanke Frauen akzeptieren. Jedenfalls höre ich das immer wieder von Frauen, interessanterweise aber nie von Männern. Vielleicht bin ich aber auch in den falschen Kreisen unterwegs. Meines Wissens nach sind Beziehungen noch nie an einem Stück Schokotorte gescheitert.

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Montag, 6. November 2006

Verstehen SIE Spaß?

Liebe HumorIstInnen!

Wie kommt es, dass Frauen zwar Spaß verstehen, aber diesen kaum kultivieren? Warum neigen Frauen zwar zum Sudern (wie alle Menschen, wohlgemerkt), setzen ihren Frust aber nur in den seltensten Fällen satirisch um? Warum sind Frauen die viel besseren BeobachterInnen, nutzen diese Gabe aber nur, um sich vom letzten Fest mit schier unmenschlicher Präzision zu merken, was die 150 geladenen Gäste – bis zur Sockenfarbe des dritten Kindes der Großcousine hin – trugen und – bis zur letzten Erbse genau – zum Essen bestellten? Oder anders gefragt: Warum gibt es keine weibliche Spaßkultur?
Das hätte ich nicht sagen dürfen. Worte der Entrüstung schlügen mir jetzt entgegen, äußerte ich auch nur eine dieser Frechheiten im Kreise illustrer FemInIstInnen. Wenn ich aber nun schon mal dabei bin, kann ich ja auch gleich weitermachen: Wer sind die großen Altmeister des (politischen) Kabaretts, des Slapsticks und der Satire? Wer sind die großen Comedians unserer Tage? Über wen lachen wir uns am ehesten kaputt? Da fallen mir spontan folgende Namen ein:
USA: Charlie Chaplin, Buster Keaton, The Marx Brothers, The Three Stooges, Dick und Doof, Bill Cosby, Tim Allen, Chevy Chase, Bill Murray, Steve Martin, Woody Allen, Mike Myers (Austin Powers), Trey Park und Matt Stone (South Park, Basketball, Team America), Leslie Nielsen samt Zucker Brüdern und Jim Abrahams, Al Bundy, Matt Groening und Homer Simpson, Larry David (Seinfeld, Curb Your Enthusiasm), George Bush, ...
Großbritannien: Monty Python, John Cleese, Matt Lucas and David Walliams (Little Britain), Rowan Atkinson (Mr Bean, BlackAdder), Ricky Gervais (The Office), Dylan Moran (Black Books), Billy Connolly, Margaret Thatcher, ...
Deutschland: Karl Valentin, Heinz Erhardt, Loriot, Dieter Hildebrandt, Gerhard Polt, Bruno Jonas, Mathias Richling, Volker Pispers, Urban Priol, Günter Grünwald, Michael Mittermaier, Dieter Nuhr, Tom Gerhardt, Edmund Stoiber, ...
Österreich: Ernst Waldbrunn und Karl Farkas, Hans Peter Heinzl und Peter Orthofer, Die Hektiker, Alfred Dorfer, Josef Hader, Lukas Resetarits, Andreas Vitasek, Gunkl (Günther Paal), Roland Düringer, Josef Cap, ...
Erst in der zweiten oder dritten Reihe kommen ein paar vereinzelte Frauen vor, die oft noch im Vergleich mit abgehalfterten Komikern wie Otto Waalkes, Mike Krüger oder Rudi Carrell müde aussehen. (Und ich weiß, dass Carrell tot ist.) Anke Engelke ist die meistüberschätzte Person im deutschen Unterhaltungssektor (und das ist ganz beachtlich bei dieser schier überwältigenden Konkurrenz). Wer bleibt also? Hella von Sinnen? Corinna Stratmann? Andrea Händler? Dolores Schmidinger und Lore Krainer fallen mir schon ein, nur wissen die unter Dreißigjährigen schon gar nicht mehr, wer die sind.
Man könnte jetzt argumentieren, dass die bösen patriarchalischen Strukturen keine Komikerinnen hochkommen lassen. Das kann ich mir kaum vorstellen. Es gibt nämlich einen Riesenmarkt für Frauenkabarett auf der Bühne, im Fernsehen, oder in gedruckter Form. Meistens muss sogar irgendeine halblustige Quotenfrau in eine Runde von männlichen Comedians gesetzt werden, damit halt eine aus dem weiblichen Lager auch mit dabei ist. Gute KabarettIstInnen würden doch überall mit Handkuss genommen werden. Warum gibt es keine?
Und wenn endlich einmal eine auftritt, dann kommen genau drei Witze in endloser Variation: der nutzlose Mann (begriffsstutzig, faul, ignorant etc.), die jüngere, aber dümmere Konkurrenz (der blonde Bimbo, die brustoperierte Tussi, die jüngere Freundin des eigenen Mannes etc.), die eigenen Unzulänglichkeiten (Aussehen, technischer Unverstand etc.) Immer und immer wieder. Gibt es keine Themen außerhalb des COSMOPOLITAN bzw. SEX IN THE CITY Universums?

Als konkretes Beispiel will ich jetzt noch die Uschi Fellner anführen, ihres Zeichens frühere Chefredakteurin von WOMAN und nunmehr Chefin der Klatsch & Tratschseiten bei ÖSTERREICH. In der gestrigen Sonntagsausgabe (LIFE&STYLE, 5. November 2006) schreibt sie in ihrer Kolumne "Kein Tag wie der andere" wieder einmal ihre ach so lustigen Alltagserfahrungen auf:
Der nette Herr Besaster mit B: Sind Sie technisch auch so hochbegabt wie ich?
Meine Kinder inklusive dem Winzling – was ich fast schon als demütigend empfinde – sind technische Genies. Wie übrigens auch alle andern Kinder, die ich kenne.
[Warum schreibt sie dann "Winzling"? Weil es doch irgendwie süß ist? Kinder sind keine technischen Genies. Frauen sind einfach zu faul, um sich die Bedienung von fünf Tasten am DVD-Player oder Computer zu merken. Ein Handy haben sie ja auch mit allen 30 Zusatzfunktionen innerhalb von kürzester Zeit durchschaut. Aber da geht es ja natürlich um lebenswichtige Dinge.]
Neue Technologien jeder Ausformung werden von Kindern spielerisch bedient, während die Großen oft nur Bahnhof verstehen. Meine Kinder sind mit dem Computer aufgewachsen, im Gegensatz zu ihrer Mutter, die seit vielen Jahren täglich facettenreich mit einem dieser Geräte umgeht.
[Eine erwachsene Frau hat also, trotz wiederholter Erklärungen und Vorführungen, extreme Schwierigkeiten einen Sachverhalt zu begreifen, den ein kleines Kind durch Versuch und Irrtum herausfinden kann? Als Chefin einer der größten Redaktionen Österreichs kann sie keinen Computer bedienen?]
Der Computer und ich, das ist ein langes, graues Kapitel in meinem Leben, und der einzige Silberstreif am Horizont ist seit Jahren der nette Herr Besaster. Kein Druckfehler, er heißt so. Besaster, mit B voran. Möglich natürlich, dass es ein Künstlername ist, damit Herr Besaster seinen allseits beliebten Eröffnungssatz "Na, um welches Disaster handelt es sich diesmal?" anbringen kann.
[Wahrscheinlich habt ihr euch auch gerade vor ungebremster Heiterkeit in die Hose gemacht. Da darf man es ruhig mal so richtig laufen lassen, wenn die Uschi ganz tief in die Trickkiste des feinen Humors greift. Herr Besaster, by the way, hat natürlich einen Künstlernamen, wie die meisten Informatiker. Man möge bitte auch die subtile Ironie goutieren, dass Herr Besaster "Disaster" und nicht "Desaster" sagt, also die englische Form des Wortes vorzieht. Jetzt ist die Hose aber wirklich schon pritschelnass vor lauter Lachen tun.]
Egal, ich hoffe jedesmal, wenn Herr Besaster das sagt, dass es sich endlich einmal um ein wirkliches Desaster handelt, oder zumindest um kein Pemperl-Problem. EINMAL nur eine kleine Computer-Katastrophe, die Herrn Besaster wirklich fordert, wäre schön.
[Es sein hier, stellvertretend für den Rest der Kolumne, angemerkt, dass die Uschi ein viel größeres Problem mit der deutschen Sprache haben tut, als wo mit den Computers.]
Mein Hoffen ist natürlich sinnlos. "Was funktioniert denn nicht?", fragt Herr Besaster, setzt sich lässig vor die Tastatur und bevor ich ihm die komplizierten Zusammenhänge des Nichtfunktionierens darlegen kann, sagt er: "Ah, ich seh schon!" Drückt auf zwei Tasten, und alles ist gut. "Was war es denn?", frage ich dann interessiert, aber ehrlich gesagt, nur der Form halber. So, Herr Besaster, jetzt wissen Sie's! Ich frag Sie immer nur der Form halber, was es war, es interessiert mich nicht die Bohne. Nett wie Sie sind, wären Sie aber eh nie auf eine andere Idee gekommen, oder?"
[Abgesehen davon, dass wir uns jetzt endgültig bis aufs Kreuz angewischelt haben, bleiben ein paar Fragen offen: Sind Frauen ohne männlichen Beistand wirklich hilflos? Sind Frauen tatsächlich blöder als Kinder? Oder was soll ich aus der Kolumne lernen? Ist das jetzt echter Frauenhumor oder einfach nur sauschlechter Journalismus?]
Also ergeht meine Bitte an die treue weibliche Leserschaft: Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass ihr einen wunderbaren Sinn für Humor habt. Bitte tretet bei nächster Gelegenheit selbst auf einer Bühne auf. Ich zahle liebend gerne Eintritt, um euch zu hören. Denn solange Anke Engelke und Uschi Fellner für euch Comedy machen, werdet ihr auch weiterhin bei Mittermaier, Dorfer und Co. im Publikum sitzen und Männerkabarett bzw. –comedy hören. Wann tritt endlich einmal eine Frau auf, die neuen Wind in die ohnehin schon abgewirtschaftete Comedyszene bringt?

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