Donnerstag, 27. Jänner 2011

AVATAR

Liebe Freunde des Animationsfilms,

gleich vorweg gesagt: Ich gehöre zu der Gruppe von Fans, die AVATAR ohne Einschränkungen verteidigen.
Deshalb halte ich auch die Kritik an dem einfachen Erzählmuster und den stereotypen Figuren für völlig unangebracht. Im Misch-Genre Science Fiction/Fantasy/Märchen/Parabel/Mythos, das vor allem von George Lucas' STAR WARS geprägt wurde, gelten völlig andere Kriterien für Charakterzeichnung und Handlungsentwicklung. Da muss man sich Tzvetan Todorov, Wladimir Jakowlewitsch Propp, Joseph Campbell, Victor Turner, und andere Narratologen ansehen, die aus der Ethnologie/Folkloristik-Ecke kommen. Dass AVATAR große Ähnlichkeiten mit POCAHONTAS oder DER MIT DEM WOLF TANZT aufweist ist ein ebenso sinnloses Argument wie Goethe vorzuwerfen, dass sein FAUST große Ähnlichkeiten mit Christopher Marlowes FAUST aufweist, oder Shakespeares ROMEO UND JULIA mit Ovids PYRAMUS UND THISBE. Viel wichtiger als die Frage, welche Bausteine ein Künstler verwendet, ist die Frage, was er daraus macht. Erst vor kurzem hat der Chef des Hamburger Balletts, John Neumeier, im
Hamburger Abendblatt (20. Jänner 2010) gemeint, BLACK SWAN sei ein ganz schrecklicher Film, weil er die Welt des Balletts völlig falsch zeichne. Niemand hat behauptet, dass BLACK SWAN eine Dokumentation über die zeitgenössische Ballettszene sei, genauso wenig, wie Cameron ein realistisches Sozialdrama verfilmen wollte. Man sollte Werke immer nach dem beurteilen, was sie sind, und nicht, was sie sein hätten können.  
Es stört mich auch nicht im Geringsten, dass Cameron ein Egomane und Perfektionist ist. Erstens hat die Persönlichkeit des Regisseurs nur bedingt mit dem Film als eigenständigem Werk zu tun, und, zweitens, kriegt man ein Projekt dieser Größenordnung nicht zustande, wenn man nicht einen eisernen Willen und fast unmenschliches Durchsetzungsvermögen hat. Ich halte James Cameron für einen der großartigsten Regisseure unserer Zeit, besonders was das visuelle Erzählen in (massentauglichen) Kinofilmen angeht.
Worauf ich aber eigentlich hinaus will ist, wie der Film gemacht wurde. Ich habe mir alle Featurettes auf der Bluray angesehen und dann noch das MAKING OF AVATAR Buch reingezogen. Obwohl ich seit einigen Jahren Film für Anfänger unterrichte und mich privat sehr für das Filmemachen interessiere, hatte ich größere Schwierigkeiten mir vorzustellen, wie das genau ging. Jedenfalls ist der Prozess nicht mehr mit Filmemachen im klassischen Sinn zu vergleichen.
Der wichtigste Unterschied ist zuerst einmal der, dass Cameron für die Pandora-Szenen, also den Hauptteil des Films, keine Filmszenen im klassischen Sinn drehte. Bei STAR WARS: EPISODE III gab es auch kaum noch Sets und viele animierte Charaktere, aber die Szenen mit menschlichen Schauspielern erscheinen im Film so, wie sie am Set gedreht wurden. Da gab es noch richtige Kameras, Einstellungen, Beleuchtung, Kostüme, Make-Up, Darsteller, etc. Cameron hingegen drehte eine elaborierte Previz Version seines Films, die erst dann in einen Animationsfilm von WETA DIGITAL umgewandelt wurde. Das Entstehen dieser Previz Fassung hat aber nichts damit zu tun, wie sonst Previz eingesetzt wird.
Bei früheren Produktionen arbeitete man sich von Konzeptillustrationen über Storyboards und Animatics schließlich zu Previz vor, einer simplen 3D Version des Films, die für komplexe Szenen vorweg klärte, wie sie im fertigen Film funktionieren sollten. Diese Veranschaulichung des Films vor Drehbeginn wurde vom Art Department bzw. dem CGI Department erstellt. Diese Previz Version hatte der Regisseur, etwa Peter Jackson bei LORD OF THE RINGS oder KING KONG, als fertige Animation am Set mit dabei.
Cameron hingegen hatte eine interaktive Previz Version auf einem Display, auf dem zunächst nur ein simpler Hintergrund zu sehen war. Diese Hintergrundelemente konnten während der Dreharbeiten sofort angepasst werden, meistens um den Bedingungen am Set zu entsprechen. Die Schauspieler trugen Mocap-Anzüge, wobei ihre Bewegungen in Echtzeit auf eine animierte Version ihrer Figur übertragen wurde, die dann Cameron, wiederum in Echtzeit, in den bereits existierenden Hintergrund integriert sehen konnte. Dafür wurden nur die wichtigsten Bewegungsdaten aus der Aufzeichnung verwendet. Das komplette Datenset, zusammen mit herkömmlichen HD-Video Aufzeichnungen, wurden dann an WETA DIGITAL, zusammen mit Camerons Previz geschickt. In diesem Mocap Studio gab es natürlich keine Filmbeleuchtung, keine Kostüme, etc. aber auch noch keine fertigen Shots - und das ist das wirklich Revolutionäre. Da eine 3D Umgebung aufgenommen wurde, konnte sich Cameron Monate später die low res 3D Szenen auf die Kamera laden und dann erst die Shots aufzeichnen. Er lief also mit einem kameraähnlichen Gerät in einem völlig leeren Raum herum und drehte die Einstellungen. Da man in einer 3D Umgebung die Kamera überall positionieren kann, konnte er sich da die besten Einstellungen raussuchen. Das ist natürlich kein Schnitt wie im üblichen Sinn, weil es ja noch nicht einmal fertige Szenen gibt. Es geht hier um völlig virtuelles Filmemachen. Während Cameron diese Einstellungen filmte, schnitten die beiden Cutter die Performances der Schauspieler, das Material der zahllosen HD Kameras. Da ging es aber nicht um Einstellungen, sondern um reine schauspielerische Leistungen. Am Schluss landeten dann drei unterschiedliche Datensätze bei WETA DIGITAL: Camerons Previz, das geschnittene Material von den HD Kameras und die kompletten Datensätze aus dem MoCap Prozess. Diese Elemente führten die Animateure zu einer fertigen Szene zusammen, wobei hier noch kräftig nachjustiert und nachkorrigiert werden musste. Die schauspielerische Leistung wurde möglichst genau umgesetzt (HD Referenz/MoCap), aber es konnte auch noch korrigiert werden.
Cameron hat diese Vorgehensweise erst beim Filmen von AVATAR erfunden. In gewisser Weise befreit es den Filmemacher von den meisten Schwierigkeiten, weil er sich, zum Beispiel bei der Arbeit mit den Schauspielern, nur auf die Performance konzentrieren muss und mit einem kleinen Team auskommt. Andererseits müssen die Darsteller ein enormes Vorstellungsvermögen haben. Sie können sich zwar ihre Darstellung als live aufgenommene Previz sofort ansehen, aber das verlangt ein nicht minder großes Vorstellungsvermögen.
Es ist noch ganz schwer abzuschätzen, ob AVATAR in dieser Hinsicht eine extreme Ausnahme bleibt. Menschen sehen als Animationen immer noch ziemlich unglaubwürdig aus. In TRON: LEGACY spielt Jeff Bridges sein jüngeres Selbst mittels MoCap, aber das ist auch im Film eine computergenerierte Version seiner selbst, also passt das ganz gut. Den einzigen Schluss, den ich im Moment ziehen kann ist der, dass Camerons visuelles Vorstellungsvermögen ungeheuerlich sein muss. Man weiß zwar, dass Regisseure oft in fertigen Filmszenen denken, noch lange bevor das Projekt angefangen hat, aber Cameron hatte während der ganzen Dreharbeiten kein einziges fertiges Element in seinen Szenen. Alles war nur vorläufig, Previz eben. Jedenfalls bin ich schon gespannt, wie sich das in den nächsten Jahren weiterentwicklen wird. George Lucas möchte wahrscheinlich auch noch ein Wörtchen mitreden und dreht, Gerüchten zur Folge, nun doch noch eine weitere Trilogie. Da werden wir noch viel zu lachen haben.                               

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Donnerstag, 16. Dezember 2010

Warum 3D?

Liebe Nah- und Fernseher,

zuerst eine Spitzfindigkeit: Filme waren auch vor 3D schon in 3D, denn die vierte Dimension, die Zeit, ist fixer Bestandteil des Kinos, also kommt man mit Höhe und Breite zusammen auf drei Dimensionen. Nur ein Gemälde ist in echtem 2D, simuliert aber Tiefe über Perspektive. Scheinbar geht es beim neuen 3D Kino auch viel öfter um die Simulation von Tiefe als deren korrekte Wiedergabe. Wie soll man es sich sonst erklären, dass laufend 2D Filme auf 3D 'umgerechnet' werden. Dafür gibt es aber eine ganz einfache Erklärung.
Echte 3D Filme (Animation einmal ausgenommen) sind sehr aufwändig, da das System nicht ganz ausgereift ist und noch immer viel herumprobiert werden muss. Zwischen den Realaufnahmen von AVATAR am Anfang des Films und den Computeranimationen besteht ein riesiger qualitativer Unterschied. Ich vermute, dass Caemeron die Anfangssequenz auf der Erde deshalb rausgenommen hat, weil er möglichst schnell zu den eigentlichen Stärken des Films übergehen und nicht die Schwächen des Systems in den Vordergrund rücken wollte.
Aufgrund der komplizierten Technik und dem völlig neuen Kinoerlebnis scheinen nun Ticketpreise von +50% gerechtfertigt zu sein, also etwa € 12 statt € 8 (ohne Ermäßigung). AVATAR ist vielleicht der einzige Film bis jetzt, bei dem ein solcher Mehrpreis gerechtfertigt ist (auch wegen der Überlänge). Die Studios setzen voll auf 3D, weil sie erstens viel mehr Geld an den Kinokassen einnmehmen können und endlich etwas gefunden haben, dass das Heimkino (Fernseher + Bluray) nicht wirklich leisten kann. Wer echtes 3D will, muss einfach ins Kino gehen.
Das bringt uns zurück zu der Frage, warum man 2D in 3D umrechnen will. Ganz einfach: mit einem relativ günstigen Arbeitsschritt kann man für den selben Film 50% mehr an Eintritt verlangen. Da ist es den Studios relativ egal, ob das Endprodukt nicht so wirklich als 3D Film überzeugen kann. Hauptsache der Rubel rollt. Deshalb sollten wir uns als Konsumenten wirklich überlegen, ob ein Film die paar Euro mehr Eintritt wirklich wert ist, oder ob es die 2D Version auch tut. Seit AVATAR habe ich niemanden mehr sagen hören, dass man einen Film unbedingt in 3D sehen müsse.
Ich glaube, dass sich 3D im Kino schon durchsetzen wird, wenn sich die Technik noch wesentlich verbessert und Regisseure wie Cameron am Ruder sind, die genau wissen, was sie tun. Für das 3D Fernsehen, hingegen, sehe ich für die nächsten 10 Jahre schwarz. Da müssten die Bestandteile wesentlich billiger werden, um sich diese relativ sinnlose Spielerei ins Wohnzimmer zu holen.              

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Donnerstag, 9. Dezember 2010

Cowboys & Aliens

Liebe Spielbergianer,

ich vermute einmal, dass Bernie Madoff Steven Spielberg noch ärger abzockte als gemeinhin bekannt (Spiegel). Das würde Filme wie Michael Bays TRANSFORMERS (2007) oder Jon Favreaus COWBOYS & ALIENS (2011) erklären, für die Spielberg als Produzent fungiert(e). Leider stolperte ich vor kurzem über den Trailer zu COWBOYS & ALIENS, der mich nur wenig ermutigte diesen Streifen im Kino sehen zu wollen.



Scott Mitchell Rosenberg, der mit drittklassigen Comics und deren Verfilmungen versucht irgendwie Geld zu verdienen, hat das Konzept dazu entwickelt. Dieses wurde dann 2006 von Fred Van Lente und Andrew Foley auf Rosenbergs Betreiben hin in ein Comic umgesetzt, das gerade einmal das Niveau einer durchschnittlichen Zeichentrickfolge im Kinderfernsehen erreicht. Alleine der Prolog, der die Invasion der Außerirdischen mit der Eroberung des Westens durch die weißen Amerikaner vergleicht, hat noch ansatzweise etwas Niveau, wenn auch die Idee an sich von H.G. Wells' KAMPF DER WELTEN gestohlen ist.
    
Nun, an diesem wunderbaren Machwerk haben Universal und Dreamworks die Rechte gekauft. Es handelt sich bei diesem Film also um eine weitere Comics Adaptation, die noch dazu von meinen Lieblingsdrehbuchautoren Alex Kurtzman und Roberto Orci stammt, die schon TRANSFORMERS I, II, und STAR TREK verbrochen haben. Auf Wikipedia kann man nachlesen, dass den beiden die ironisch angehauchte Drehbuchfassung von Mark Fergus und Hawk Ostby nicht gefiel und diese so umschrieben, dass nun eine seriöse Version von COWBOYS & ALIENS vorliegt: "Imagine you're watching UNFORGIVEN and then Aliens land," hat Orci bei IGN verlautbart. Das beruhigt mich natürlich sehr.
Interessanterweise haben Brian Grazer und Ron Howard das Projekt als Produzenten übernommen und Daniel Craig und Harrsion Ford sind in den Hauptrollen zu sehen. Das irritiert mich natürlich noch mehr. Warum würden sich die vier für einen Film hergeben, der nur ein großer Haufen Gülle ist.
Deshalb erwarte ich den Film nun doch noch mit einiger Spannung. Vielleicht habe ich ja unrecht und das dynamische Duo Kurtzman und Orci verstehen es mich zu verblüffen. Mal sehen.

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Donnerstag, 2. Dezember 2010

Harry Potter 7

Liebe Potterianer,

ich habe vor kurzem Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Teil 7) im Kino gesehen. Auf IMDb und anderen Seiten gibt es zahllose Rezensionen, die den Film für den besten der Serie halten. Dem kann man nur unter gewissen Vorbehalten zustimmen. Roger Ebert trifft, wie so oft, genau den Kern, wenn er meint, dass der Film für Nicht-Potterianer völlig sinnlos ist. Damit meine ich nicht nur das Interesse an der Serie prinzipiell, sondern vor allem das Potenzial des Films für sich alleine irgendeinen Sinn zu ergeben. Dieses ist nämlich nicht einmal ansatzweise vorhanden. Es handelt sich für Uneingeweihte um das absurdeste Sammelsurium von Szenen, die man sich nur vorstellen kann. Ständig tauchen irgendwelche Charaktere (dutzende!) aus dem Nichts auf, tun irgendetwas und sind schon wieder weg. Harry, Hermine und Ron sitzen den ganzen Film blöd herum und warten darauf, dass irgendetwas passiert. Dabei darf sie der Zuseher eingehend beobachten - lange Einstellungen völlig ohne Dialoge. Wer auch nur annähernd Film mit Bewegung assoziiert, wird hier eines Besseren belehrt: manche Diavorträge haben mehr Action als Potter 7.

Wie kommen also jene verwirrten Menschen auf die wahnwitzige Idee, es könnte sich um den besten der ganzen Serie handeln? Nun, wenn man den Film aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, fallen einem eine Reihe von Qualitäten auf, die man, ob der peinigenden Langeweile oder Konfusion, leicht übersehen könnte. Dazu gehört vor allem die Stimmung des Films, die schauspielerische Leistung der Jungdarsteller, und der Umstand, das hier etwas nachgeholt wird, das in allen bisherigen Verfilmungen fehlte.
Während die Romane dicke Wälzer mit mehreren hundert Seiten sind, muss eine Filmfolge mit maximal 2 1/2 Stunden auskommen. Deshalb fielen in den ersten Teilen oft die ruhigeren, persönlicheren, und tragischeren Momente der Romanvorlage in der Filmversion der Zeitbeschränkung zum Opfer. Da wurde lieber auf Action und comic relief gesetzt. Dieser Film liefert all diese Momente in einer zweieinhalbstündigen Elegie nach. Potter 7 ist ein Film über traumatisierte Jugendliche, die alles verloren haben und lange vor ihrer Zeit erwachsen geworden sind. Dass die Schaupieler viel älter als ihre Figuren sind, stört gerade hier nicht. Es zeigt eher, wie groß der Unterschied zwischen biologischem und sozialem Alter ist. Am Ende ihrer Ausbildung als Magier, wenn sie mit einem Wink ihres Zauberstabs töten können, erscheinen sie als die macht- und hilfslosesten Kreaturen überhaupt. Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint sind nun auch alt genug, um das überzeugend spielen zu können. Deshalb beinhaltet der Film einige der besten Szenen in der ganzen Serie. Daran besteht kein Zweifel.
Das Hauptproblem des Films ist jedoch, dass er wie ein einziger reaction shot auf Umstände wirkt, die im Film selbst nicht gezeigt werden. Selbst für diejenigen, die mit der Gesamterzählung vertraut sind, kann das ein wenig mühsam sein. Die Dramaturgik des Films widerspricht eigentlich jeder Daumenregel des Drehbuchschreibens, z.B. der Tod einer Figur bewegt die Zuseher nur dann, wenn diese ordentlich eingeführt wurde. Dazu kommt noch, dass es nur der erste Teil des siebten Bandes ist und somit keinen ordentlichen Schluss hat, ein weiteres no-go für jeden Film. Die paar wenigen Details, die die Handlung tatsächlich vorantreiben, hätte man locker in den nächsten Film integrieren können. Die Gewichtung der gezeigten Elemente stimmt nicht mehr: Mad-Eye Moody taucht kurz auf und ist gleich tot, der ältere Weasley Bruder taucht kurz auf und heiratet, Ginny taucht kurz auf und küsst Harry, Voldemort taucht kurz auf und plant Harrys Tod etc. Dutzende Figuren erscheinen für eine Minute und sind gleich wieder weg. Die restlichen zwei Stunden sehen wir Harry, Hermine und Ron beim Davonlaufen und Leiden zu. Das geht so nicht. Das ist kein Film bzw. keine ordentliche Erzählung. Schon Teil 5 und 6 haben unter der Schwere der Gesamterzählung und der Masse der Charaktere gelitten, aber hier, im siebten Teil, wird es wirklich problematisch.
Mithilfe dieser Ausführungen wird hoffentlich klar, warum ich Potter 7 für den besten und schlechtesten Film der ganzen Serie halte. Was Steve Kloves (Drehuch) und David Yates (Regie) aus manchen Szenen herausholen, ist atemberaubend gut gelungen, aber leider verspielt der Film seine Wirkung in der Gesamtkomposition bzw. im Schnitt.      
Das persönliche Highlight für mich war Ben Hibon's animierter Kurzfilm "The Tale of the Three Brothers", der den Ursprung der Heiligtümer des Todes erklärt - ein kleines Meisterwerk, das dem Regisseur - völlig zurecht - bereits neue Angebote eingebracht hat. Interessanterweise haben die Heiligtümer des Todes, nach denen der Film ja eigentlich benannt ist, ebenfalls nur einen Kurzauftritt, was mich nicht wenig erstaunt. Worum geht es in diesem Film überhaupt?                          

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Donnerstag, 20. August 2009

WATCHMEN

Lieber Alan Moore Fanclub!

Ich habe es endlich geschafft WATCHMEN zu sehen. Wie schon bei 300 (2006) gelingt es Zack Snyder ein Comic detailgetreu (so weit als möglich) für die Leinwand umzusetzen. Dieser Film wirft aber - noch viel mehr als 300 - eine der Grundfragen der Filmadaption auf: Wie schaffe ich es einen zeitgeschichtlichen Stoff für ein zeitgenössisches Publikum aufzuarbeiten?

Im Gegensatz zu 300 ist WATCHMEN eben nicht einfach nur eine Geschichte, sondern engstens mit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts verbunden: Thatcher, Reagan, der kalte Krieg, die atomare Bedrohung, die Aushöhlung des Sozialstaats, Turbokapitalismus, der Aufstieg nationaler Konzerne zu internationalen Playern, Weltuntergangsstimmung, Verrohung der Sitten etc.
Darüber hinaus ist WATCHMEN ein Comic, das im Superheldengenre eine neue Ära einläutet, indem es konsequent seine Grundfesten dekonstruiert. Nur ein kleines Beispiel: Superheldencomics verwenden fast ausschließlich Primärfarben (rot, blau, grün) und die Sekundärfarbe gelb, was man an Supermans Outfit sehr schön sehen kann. WATCHMEN setzt diesem Phänomen eine Farbpalette entgegen, die auf Sekundärfarben, wie zum Beispiel violett, beruht. Neben vielen anderen technischen und strukturellen Neuerungen wird auch der Mythos des Superhelden grundlegend zerstört. Die typische Dichotomie von Superhelden und Superbösewichtern wird aufgehoben, indem Moore diese einfach gleichsetzt. Das führt zu der absurden Situation, dass sich viele Leser mit Rorschach identifizieren, den mit Abstand gestörtesten "Helden" dieser ohnehin kranken Ansammlung von übermächtigen Psycho- und Soziopathen. Für intelligente Comicsleser in den 80ern war WATCHMEN ein Paukenschlag, eine Sensation, eine Offenbarung. Deswegen ist von WATCHMEN als einer Einstiegslektüre in die Comicswelt mehrfach abzuraten, weil man sehr viel über die 80er wissen muss, um das Buch zu verstehen.

Nun, das Kinopublikum von heute versteht sehr wenig von den 80ern und wahrscheinlich gar nichts von der Geschichte der Comicsliteratur. Trotzdem entscheidet sich Snyder dazu das Buch so umzusetzen, wie es ist. Das führt nun dazu, dass der Film ähnlich befremdlich auf die Zuseher wirkt, wie das Comic auf zeitgenössische Leser. Alan Moore zog seinen Namen von diesem Projekt zurück, weil er schon mit den Filmadaptionen von FROM HELL, THE LEAGUE OF EXTRAORDINARY GENTLEMEN, und V FOR VENDETTA schlechte Erfahrungen gemacht hatte.
Snyder hätte also die Chance gehabt eine radikale Adaption vorzulegen, die den Kern des Comics bewahrt und auf aktuelle Ereignisse eingeht: Amerikas Superhelden verbünden sich mit George W. Bush, gewinnen den Afghanistan und Irak Krieg, schlagen Demonstrationen für Umweltschutz und Frieden blutig nieder, verwüsten halb Südamerika, um die Drogenbanden zu bekämpfen und errichten am Schluss einen christlich-faschistischen Staat mit Bush als Diktator. Zu radikal? Wäre es nicht interessant zu sehen, wie Superman, Batman, Hulk, die Fantastischen Vier, und Captain America eine ganze Hochzeitsgesellschaft im Irak hinmetzeln, um einen Rebellenführer zu fassen?

Wie schon 300 vor ihm ist WATCHMEN ein Film, dessen Botschaft/Sinn/Bedeutung keiner versteht. Beide beruhen auf ideologisch völlig konträren und nicht unproblematischen Ideologien (Frank Millers tendenziell faschistische Comics, Alan Moores sozialistisch-anarchistische Arbeiten in den 80ern), aber Snyder bezieht keine Stellung. 300 ist wenigstens noch ein ästhetisch interessanter Sandalenfilm für die Freunde gepflegten Gemetzels, aber WATCHMEN ist gar nichts. In den drei Stunden, die der Film dauert, sieht man eine makellose visuelle Umsetzung des Comics, die aber alles sein und einarbeiten möchte und gerade dadurch im Kern nichts mehr ist.

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Samstag, 15. August 2009

G.I. Joe

Liebe Freunde des Edeltrashkinos!

Stephen Sommers ist einer der ganz großen Alchemisten Hollywoods. Im Gegensatz zu seinen mittelalterlichen Vorgängern schafft er es tatsächlich aus wertlosem Material Gold zu machen. In THE MUMMY (1999), THE SCORPION KING (2002) und VAN HELSING (2004) hat er eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass man mit Big Budget B-Movies großes Geld verdienen kann. Wer braucht schon Schauspieler, wenn Computereffekte und halsbrecherische Actionchoreographie für ununterbrochenes KABOOM sorgen?
G.I. JOE: THE RISE OF COBRA (2009) reiht sich nahtlos in diese Erfolgsgeschichte ein. Mit einem 175 Millionen Dollar schweren Monsterbudget wurde Sommers für seine ungebrochene Serie von Kassenhits belohnt und das Geld floss wie immer in Stunts und Effekte. Der amerikanische Spielegigant HASBRO vermarktet damit eine weitere Reihe, nachdem TRANSFORMERS (2007) sich als extrem lukrativ erwies.
Als mein Schwager vorschlug sich den Streifen anzusehen, war meine Begeisterung endenwollend. Trotzdem ließ ich mich überreden und erwartete das Schlimmste. Zu meiner großen Überraschung fand ich den Film aber sehr unterhaltend. Im Gegensatz zu den anderen Actionblockbustern der letzten paar Jahre versucht Sommers erst gar nicht dem hirnrissigen Grundkonzept einen Hauch von Realismus zu verpassen. Ganz im Gegenteil: Von Anfang an wird hier so dick aufgetragen, dass der Film fast als Parodie erscheint. Während die allgegenwärtigen Comicverfilmungen versuchen, mit guten Schauspielern und dreidimensionalen Figuren (so weit als möglich) Superheldengeschichten salonfähig zu machen, legt Sommers eine perfekte Comicverfilmung im Sinne einer direkten Umsetzung vor: haarsträubende Konzepte und Handlungsverläufe, High Tech Gadgets vom Feinsten, Action ohne Ende, eindimensionale Charaktere wie heroische Helden, superböse Bösewichte, verrückte Wissenschaftler, etc. Noch selten habe ich so viel Schwachsinn auf einem Haufen gesehen. Und trotzdem ist der Film in seinem Testosteronrausch in sich stimmig und hervorragend in Szene gesetzt. Alleine die Verfolgungsjagd in Paris ist das Geld der Eintrittskarte schon wert. Sommers zitiert das ganze Action-Genre, vor allem aber JAMES BOND und STAR WARS. Die letzte halbe Stunde ist fürchterlich klischeehaft, wenn auch der Schluss unfreiwillig komisch wirkt: ein COBRA-Agent ersetzt den amerikanischen Präsidenten, was einen stark an George "double trouble" Bush erinnert.
Ein großer Spaß für alle spätpubertären Kindsköpfe und ein Greuel sondergleichen für Frauen und andere vernünftige Menschen.

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Mittwoch, 17. Juni 2009

Terminator 4: Salvation

Liebe Cyberdine Systems Aktionäre,

ich war - der düsteren, post-apokalyptischen Stimmung des Films entsprechend - auf das Schlimmste gefasst. Von führenden Terminatologen vor der drohenden Katastrophe gewarnt, ging ich - völlig hoffnungslos und desillusioniert - in den vierten Teil rein. Während meine Erwartungen bei STAR TREK noch erheblich waren, stellte ich mich hier mental auf STREET FIGHTER (im schlimmsten Fall) bzw. X-MEN ORIGINS: WOLVERINE (im besten Fall) ein.

Folglich war ich zuerst einmal positiv überrascht. Wie in STAR TREK sind die Rollen großteils sehr gut besetzt und man sieht in den Figuren sogar ein gewisses Potential. Sam Worthington als Marcus Wright und Christian Bale als Sarah ..äh.. John Connor kann man eine starke Präsenz kaum absprechen. Auch von McGs Regiearbeit war ich über weite Strecken überzeugt: für einen Anfänger, der nicht weiter ist als J.J. Abrams, hat er sich tapfer geschlagen. Die postapokalyptische Welt ist konsequent umgesetzt, auch wenn die MAD MAX und MATRIX Anleihen überdeutlich in den Vordergrund treten. Die erste Hälfte des Films war relativ kurzweilig und mir gelang es dieses Mal sehr gut das Hirn vorher an der Kasse abzugeben.

Woran krankt es also? Wieder einmal wird ein Franchise fortgesetzt, indem man die Zutaten aus den früheren Teilen in einen Mixer wirft und kräftig aufdreht. Da kann nur Brei rauskommen. Selbst die neuen und kantigeren Zutaten wie Bale oder Worthington verlieren da schnell ihre Konsistenz und werden in null komma nix verschlissen. Brancato und Ferris, die Drehbuchautoren, haben außer CATWOMAN und TERMINATOR 3 nichts vorzuweisen - ein Umstand, der wieder stark an STAR TREK erinnert. Warum werden die großen Franchise Blockbuster, wo es wirklich um sehr viel Geld geht, von irgendwelchen no-name Regisseuren inszeniert und - was noch viel schlimmer ist - von no-name Drehbuchautoren geschrieben? Ich vermute einmal, dass sich kein anständiger Drehbuchautor den eigenen Ruf mit dem vierten Teil eines Actionfilms ruinieren will. Also treten irgendwelche Desperados an, die nichts zu verlieren haben. T3 war für mich nicht viel mehr als ein Remake von T2 und bei T4 ist Brancato und Ferris nichts mehr eingefallen. Das Drehbuch ist von vorne bis hinten nicht durchdacht. Wenn Skynet so clever ist, dass es Connor und Reese erfolgreich zu sich locken kann und immer weiß, wo sich die beiden gerade befinden, warum - bei Zeus' fettem Arsch (hier zitiere ich Dr. Stanley Goodspeed aka Nicolas Cage in THE ROCK) - bringt es die beiden dann nicht einfach um? Und das ist nur die offensichtlichste Schwachstelle des Drehbuchs. Warum sind die Menschen so perfekt ausgerüstet und organisiert? Warum sind die Maschinen so schwach? Warum ist die Hauptzentrale von Skynet so schlecht bewacht, dass jeder ein und aus gehen kann? Die Liste ließe sich unendlich lang fortsetzen.

Drehbuchautoren in spe sollten sich TERMINATOR 2, ALIENS, und STAR WARS V: THE EMPIRE STRIKES BACK genauer ansehen, wenn sie die Fortsetzung eines erfolgreichen Films zu schreiben haben. Es interessiert weniger, was schon da war, sondern wie die selben Elemente und Charaktere unter radikal anderen Bedingungen funktionieren und interagieren. In T4 erfahre ich aber gar nichts Neues. Er wirkt, als hätte man die kurzen Sequenzen aus den ersten Teilen, die in der Zukunft spielen, einfach auf zwei Stunden ausgedehnt. Wie bei STAR TREK ist wieder alles beliebig austauschbar. Vor 20 Jahren waren die Actionfilme auch keine Shakespeare-Dramen, aber wenigstens sahen sie nicht alle wie Computerspielverfilmungen aus.

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Dienstag, 2. Juni 2009

Star Trek

Liebe Trekkies!

J.J. Abrams ist ein Zauberer - nicht etwa wie Gandalf oder Dumbledore, die tatsächlich magische Fähigkeiten besitzen, sondern eher wie der Zauberer von Oz oder David Copperfield, die von der Illusion ihres Könnens leben und denen man besser nicht in die Karten schauen sollte, weil sonst die große Illusion wie eine Seifenblase zerplatzt.
Abrams hat schon bei ALIAS, LOST und CLOVERFIELD unter Beweis gestellt, dass er ein high concept - low endurance Typ ist. Solange er die Spannung durchhält, sind seine Geschichten absolut brillant. Sobald aber Zweifel aufkommen, sterben sie schneller als Eintagsfliegen. Er kokketiert ständig mit Konzepten, die er selbst nicht durchdacht hat und die er folglich mit heißer Luft aufblasen muss, damit sie nicht kollabieren. Wie ein Zauberer bei der Kindergeburtstagsfeier lenkt er vom soeben misslungenen Trick gleich mit der nächsten Illusion ab.

STAR TREK scheint nun aber der ganz große Wurf zu sein. Nicht nur, dass der Film beim Publikum super ankommt, auch die Kritiker loben ihn: auf metacritic.com gibt es 83%, die drittbeste Platzierung aller im Moment laufender Filme. Von der New York Times und Slate gibt es sogar eine 90% Wertung. Da frage ich mich natürlich, warum ich wieder einmal so komisch bin und mit diesem Film nicht wirklich viel anfangen kann. Wie üblich versuche ich meine Kritikpunkte zu strukturieren:

1) Regie: STAR TREK ist das beste Beispiel dafür, was passiert, wenn man einen Regieamateur, der ein bisschen im Fernsehen arbeiten durfte, plötzlich einen Hollywood Blockbuster inszenieren lässt. Abrams konnte bei MISSION IMPOSSIBLE III seine ALIAS Erfahrung einbringen und CLOVERFIELD tickt sowieso ganz anders. Bei STAR TREK sieht man aber nun, wie wenig er tatsächlich davon versteht. Am auffälligsten ist, dass er keinen Sinn für Raum, Dimension und Perspektive hat. Das alles ist im Fernsehen nicht so wichtig, weil man da sowieso gerne von talking head zu talking head springt. Von einem flüchtigen establishing shot (wenn überhaupt) geht es sofort in die medium shots und close ups. Und dann reiht sich ein Detail an das andere - oft minutenlang. Wenn dazwischen einmal ein long shot auftaucht, ist man schon dankbar. Die halbe Zeit ist man völlig desorientiert, weil er kaum Charaktere in Relation zu ihrer Umgebung zeigt. Die Sets wurden fast alle umsonst gebaut, weil er sie erstens kaum herzeigt und, zweitens, die Figuren nicht darin leben lässt.
Dabei liegen Abrams Defizite wahrscheinlich nicht einmal am Fernsehen, weil es sehr viele Serien gibt, die geradezu Meisterstücke im Bereich Cinematography sind. Es ist einfach Abrams selbst, der von Regie zu wenig versteht.

2) Drehbuch: Alex Kurtzman und Bob Orci sollten für die Charaktermomente im Film durchaus gelobt werden, ebenso Webster/Weisberg für das geniale Casting. Dennoch ist es kein Zufall, dass diese beiden Herren TRANSFORMERS 1+2 verbrochen haben. Die Handlung von STAR TREK ist dermaßen schwachsinnig, dass es fast schon weh tut. Nur zwei Beispiele:
a) Was in TRANSFORMERS der All Spark ist, ist hier die rote Materie. Kurtzman und Orci wissen was ein MacGuffin ist und strapazieren das Konzept bis zum Bersten. Die Autoren der Fernsehserie haben schon immer mit Pseudotechnik getrickst, um die Handlung so hinzubiegen, wie es Ihnen beliebte. Das waren aber auch immer die schwächsten Folgen. Als Zuseher fühlt man sich verarscht, wenn beim neuen STAR TREK nichts zusammenstimmt und alles gerade nur für den Moment gilt.
b) Das Mienenschiff aus dem 29. Jahrhundert muss einen verrosteten Bohrer ausfahren, um Gestein zu durchbrechen, während es andererseits mit seinen Waffen ein stark gepanzertes Raumschiff wie nichts zerlegt. Sulu kämpft mit einem Degen gegen einen Romulaner aus der Zukunft, der natürlich auch ein Schwert eingesteckt hat. Logisch.
STAR TREK: THE MOVIE ist ein völlig hirnbefreites Racheepos, das in seiner Komplexität eher wie ein Ego Shooter angelegt ist. Apropos Computerspiel: Am allererbärmlichsten finde ich es, dass die beiden Drehbuchautoren STAR WARS direkt kopieren. Neben der Es-gibt-immer-noch-ein-größeres-Monster Szene aus Phantom Menace (Episode I), ist auch noch der Schlusskampf auf mehreren Ebenen abgekupfert. WIESO??? Jetzt, da STAR WARS Gott sei Dank zu Ende ist, will man wahrscheinlich die Fans zu STAR STREK rüberlocken. Ist ja sowieso alles irgendwie dasselbe.

3) Alternative Zeitlinie: Einen Aspekt des Drehbuchs muss ich getrennt behandeln. STAR TREK spielt in einer alternativen Zeitlinie. Man könnte auch sagen, dass STAR TREK mit der Idee alternativer Zeitlinien spielt. Da das hier gezeigte also sowieso nicht ganz so wirklich ernst zu nehmen ist, kann man ja den Star Trek Fans, die mit der Continuity des ST-Universums vertraut sind, kräftig eine vor den Latz knallen. Dabei finde ich die Idee, Vulkan zu zerstören und Spocks Mutter zu töten, nicht einmal so schlecht, weil Spock dadurch noch exponierter wird. Aber in den meisten Fällen, in denen man Kindern sagt, sie dürfen alles machen, was ihnen einfällt, kommt meistens nur grober Unfug raus. Müssen Spock und Uhura wirklich ein Paar sein? Muss Kirk wirklich in einem Shuttle auf die Welt kommen, während sein Vater heldenhaft stirbt? etc.

Schlusswort: In vielerlei Hinsicht ist STAR TREK: THE MOVIE das vielbefürchtete STAR TREK 90210. Für pubertierende Jugendliche ist es wirklich egal, ob sie sich bei STAR TREK, TRANSFORMERS, oder STAR WARS reinsetzen, aber nur Kommerz ist ein bisschen zu wenig.
Der Film wird nur durch das super Casting und die paar guten Charaktermomente gerettet. STAR TREK ist sicherlich Orci und Kurtzmans beste Arbeit bis jetzt, aber immer noch meilenweit von einem akzeptablen Drehbuch entfernt. Das selbe mag auch für Abrams Regie gelten.

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Donnerstag, 19. März 2009

300

Liebe Filmfreaks!

Da gerade Zack Snyders jüngster Film WATCHMEN läuft, den ich noch nicht gesehen habe, nütze ich die Gelegenheit, um über seinen vorherigen Film 300 (2007) zu schreiben. Das liegt aber auch daran, dass ich vor kurzem zwei erstaunliche Entdeckungen machte. Erstens erwähnte ich in einem Gespräch, dass 300 faschistisches Gedankengut transportiere, was bei den anderen - zu meiner Überraschung - große Ungläubigkeit hervorrief. Zweitens stellte ich kurz darauf fest, dass ich keinen Blogeintrag zu diesem Film verfasste, obwohl er mir damals gewaltig im Kopf herumspukte. Da litt ich nämlich am gefährlichen Riefenstahl-Syndrom: Wie konnte mir ein Film (optisch) so gut gefallen, der ideologisch so völlig verkehrt war? Aber genau dieser Punkt, die faschistische Ideologie des Films, scheinen andere gar nicht wahrzunehmen. Also versuche ich kurz zu erklären, was mir daran nicht passt.
1) Zuerst einmal ist auffällig, dass sowohl das demokratisch gewählte Parlament als auch die religiöse Kaste (Ephoren) korrupt, degeneriert, und handlungsunfähig sind. In Zeiten der Krise ist aber Demokratie nicht gefragt. Da muss die starke Hand her, ein Mann, der weiß, was zu tun ist. Nicht zu Unrecht heißt einer von Leni Riefenstahls Filmen TRIUMPH DES WILLENS. Das fasst die Grundaussage des Films sehr schön zusammen. Im Angesicht einer verheerenden Übermacht stellen sich 300 wackere Krieger einer aussichtslosen Situation, um dann heldenhaft zu sterben.
2) Das Erziehungssystem der Spartaner produziert nur Krieger nach Maß. Ein echter Mann ist ein Soldat - eine Kampfmaschine. Da das Menschenbild, das hier vermittelt wird, nur einen einzigen Typ zuläßt, sehen auch alle Spartaner völlig gleich aus: Sie sind nicht nur uniformiert, sondern auch uniform. Alle Abweichungen von der Norm werden verrachtet: für Schwächlinge, Behinderte, Schwule, Intellektuelle, Künstler etc. gibt es keinen Platz. Die beiden größten Verräter im Film sind zwei Spartaner, von denen der eine nicht Soldat sein darf (Ephialtes), der andere nicht Soldat sein will (Theron). Politiker, Priester, Behinderte - alle zurückgebliebenen Männer sind nicht einfach nur schwach, sondern degeneriert und verräterisch.
3) Apropos degeneriert: der Asiat an sich - also die paar Millionen, die damals diesen Kontinent bevölkerten - ist weibisch, eingebildet, dekadent, pervers, hinterhältig, brutal, jähzornig und obrigkeitshörig. Im 19. Jahrhundert zählten die Orientalen, zusammen mit Frauen, Kindern, Degenerierten und Verrückten, zu den nicht ganz zurechnungsfähigen Zeitgenossen. Der westliche, rational denkende weiße Mann der Mittel- und Oberschicht, war also ständig davon bedroht, in einen Sumpf von Emotionalität und Irrationalität zu versinken. Frauen sind ja an sich hysterisch, wie wir seit Freud wissen. Die Degenerationstheorien des späten 19. Jahrhunderts (Cesare Lombroso, Max Nordau etc.) bildeten nicht nur den ideologischen Nährboden für den Nazionalsozialismus, sondern sind auch in 300 sehr schön illustriert. Degeneration ist wie eine Infektionskrankheit, die sich rasant ausbreitet und nur schwer zu stoppen ist.
4) Dies ist wiederum stark mit der "Blut und Boden" Mentalität vernetzt. Die nordischen Rassen bzw. die spartanisch lebenden Spartaner sind deswegen überlegene Rassen, weil sie sich trotz aller Widrigkeiten des Landes durchgesetzt haben. Die 'natürliche' Selektion hat nur die Stärksten und Kräftigsten überleben lassen. Zwischen Land und Leuten gibt es eine Art mystische Verbindung. Die Asiaten und Bewohner des Äquators hingegen leben in einem Klima, das man nur mit einer Sauna vergleichen kann. Da wird der stärkste Mann verweichlicht.

Das waren jetzt nur vier grob umrissene Problemzonen, die man sich jetzt im Detail im Film ansehen könnte. Warum die ganze Auflistung? Ich bin fest davon überzeugt, dass es keine unpolitischen Filme gibt, denn auch der dümmste Action-Kracher entsteht in einem kulturell geprägten Umfeld. Den wertfreien Unterhaltungsfilm gibt es nicht. Siehe PRETTY WOMAN (1990).

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Montag, 9. Februar 2009

Pretty Woman

Liebe Romantiker,

In der Freitag-Ausgabe der SALZBURGER NACHRICHTEN (6. Februar 2009, S. 10) findet sich ein Interview mit Christian Petzold, dem Regisseur von JERICHOW, das den Titel "Die Liebe in Zeiten des Kapitalismus" trägt. Zur Beziehung zwischen Geld und Liebe befragt, antwortet er:

"Je undurchlässiger eine Gesellschaft aber ist, umso mehr findet die Ideologie der Romantik im Film und in der Musik statt: Die Idee, dass alles möglich ist, auch ohne Geld, dass nur das Gefühl zählt. Und die Figur der Laura weiß davon zu berichten, dass diese Art von Romantik eben nur eine Ideologie ist, dass man sich verkaufen und seinen Preis hochhalten muss, um sich eine kleine Freiheit zu erarbeiten. Gerade für eine Frau mit 35 ist eine wirkliche Unabhängigkeit sehr schwierig."

Der Turbokapitalismus der 1980er und 90er Jahre, der soeben einen vorübergehenden Rückschlag erlitten hat, ist da ein sehr gutes Beispiel. Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass Jane Austens Romane seit 15 Jahren eine ungeahnte Renaissance im Kino erleben. Die begeisterten Fans sehen nur die romantische Komödie in Pride and Prejudice, aber die Ehe zwischen Charlotte Lucas und William Collins ist großteils vom Wunsch Charlottes bestimmt sich finanziell abzusichern. Dafür muss sie sich eben an einen wenig begehrenswerten Mann verkaufen. Die Ehe als eine mögliche Form der Zwangsprostitution ist das Damoklesschwert, das über der Geschichte der Frauen durch die Jahrhunderte hinweg schwebt.

Das Hollywood Kino der 80er und frühen 90er ist voll von romantischen Komödien, die, ähnlich wie bei Jane Austen, die Ideologie der Romantik mit jener des Kapitalismus verknüpfen. Während Michael J. Fox in THE SECRET OF MY SUCCESS (1987) noch völlig unbedarft das System zu seinen Gunsten manipuliert, um ganz nach oben zu kommen und in Saus und Braus zu leben, wird er in DOC HOLLYWOOD (1991) eines Besseren belehrt und lernt die Vorzüge des Landlebens und der wahren Liebe schätzen.

Das interessanteste Beispiel ist aber PRETTY WOMAN (1990), die erfolgreichste romantic comedy aller Zeiten, die bei Produktionskosten von 14 Millionen Dollar 463 Millionen eingespielt hat. Das ursprüngliche Drehbuch $3,000 war ein düsteres Drama, das die wirtschaftliche Härte der Reagan/Thatcher Zeit widerspiegelte und eine billige Straßennutte mit einem rücksichtslosen Finanzhai zusammenbrachte. Da die Rechte bei Disney lagen, sprachen sich Produzentin Laura Ziskin und Studioboss Jeffrey Katzenberg (jetzt bei Dreamworks) gegen dieses Szenario aus, weil es nicht in die Disney Faserschmeichler-Linie passte. Also ließen sie das Drehbuch auf romantic comedy umschreiben. Das erklärt auch den völlig hirnrissigen Umstand, dass das überaus sympathische und romantische Traumpaar des Films die sozial bedenklichsten Berufe ausübt. Dazu kommt noch, dass der soziale Aufstieg der Vivian Ward nur über Äußerlichkeiten zustande kommt und sie die ganze Zeit von einem echten Arsch ausgehalten wird. Daher wundert es nur wenig, dass Daryl Hannah, Michelle Pfeiffer und Meg Ryan die Rolle ablehnten und den Film auch heute noch wegen seiner frauenfeindlichen Ausrichtung hassen. Während die ganze Welt nun endlich Topmanager verachtet, die Firmen ruinieren, Angestellte entlassen und sich dabei noch ganz unverschämt bereichern, wird bei Richard Gere gerne über solche Lapalien hinweggesehen. Kann mir jemand den moralischen Kern von PRETTY WOMAN erklären? Aber es ist ja nur eine romantische Komödie. Da geht es halt um andere Sachen. Trotzdem ist der Film hochpolitisch, ob man das wahrhaben möchte oder nicht.

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Mittwoch, 27. August 2008

The Dark Knight

Liebe Batfans!

Als Christopher Nolan 2005 mit BATMAN BEGINS das Franchise neu belebte, wollte er bewusst mehr Ernst und Realismus, was nach Joel Schumachers BATMAN FOREVER (1995) und BATMAN & ROBIN (1997) nicht nur leicht, sondern auch dringend nötig war. Ich sage bewusst auch "leicht", weil der wahre Durchbruch mit Tim Burtons BATMAN (1989) gelang. Wenn uns jetzt, 20 Jahre später, vieles lächerlich oder überzogen vorkommen mag, darf man nicht vergessen, dass es Burton war, der die Grundlage für alle Comicverfilmungen der nächsten zwei Jahrzehnte schuf.
Ich bringe Burtons zwei Batman Filme (BATMAN RETURNS folgte 1992) auch deshalb ins Spiel, weil sie sich in ähnlicher Weise zueinander verhalten wie Nolans BATMAN BEGINS und THE DARK KNIGHT (2008). In beiden Fällen war der erste Film ein Riesenerfolg und schrie nach einer Fortsetzung. Das Problem der Superheldengeschichten ist aber generell, dass ihr Kern aus einer faszinierenden tragischen Geschichte besteht, diese aber schnell erzählt ist. Bei SPIDERMAN 3 (2007) wurde einem dieser Umstand schnell schmerzlich bewusst. Wie im griechischen Drama geht es bei allen Comicfortsetzungen also um das Herausarbeiten von Details und Facetten.
Burton und Nolan führten in ihren ersten Teilen in eine völlig neue und faszinierende Welt ein. Beide verwendeten verschiedenste Comicvorlagen um ihren eigenen Batman Mythos zu erschaffen. Mit dem Ende des ersten Films waren aber alle Hauptfiguren, ihre Umwelt und der spezifische Blickwinkel auf den Superhelden etabliert. Wie geht es also weiter? Die Batman Geschichte bietet im Gegensatz zum faden Superman drei Besonderheiten: Der Held ist nur ein Mensch, seine nächtlichen Ausflüge werden durchaus mit Argwohn betrachtet und er ähnelt in erschreckender Weise seinen Gegenspielern. Burton setzte diese Apekte in BATMAN RETURNS konsequent um und Nolan musste zwangsläufig auch diesen Weg einschlagen. Die Demontage von Batman kombiniert mit der wunderbar gespielten kriminellen Energie der Bösewichte irritiert in beiden Fortsetzungen. Der Superheld ist ein verwirrtes Opfer der Umstände, das nur mehr reagiert und, so gut es geht, die Katastrophe eindämmt. Wie schon Penguin und Catwoman in BATMAN RETURNS, spielen in THE DARK KNIGHT Joker und Two-Face Batman locker an die Wand. Kurz gesagt: Was viele als Besonderheiten in THE DARK KNIGHT zu erkennen glauben, ist bereits in Burtons Version zur Gänze vorhanden bzw. in den Comic Büchern, auf denen all diese Filme basieren. Frank Miller bringt die Spiegelung Batmans in seinem Gegenspieler wunderbar in THE DARK KNIGHT RETURNS (1986) auf Seite 55 auf den Punkt. Wie unterscheidet sich THE DARK KNIGHT aber nun wirklich von den Vorlagen?
Der größte Triumph und Fluch des Films ist sein Realismus. Alles Comichafte wurde verbannt und Nolan schafft das scheinbar Unmögliche: einen (allzu) ernsten und brutalen Film über die Grundfesten unserer Gesellschaft und ihr Verhältnis zu Gewalt und staatlicher Ordnung. Die vielen Anspielungen auf 9/11 wirken für mich aufgesetzt, unterstreichen aber ganz deutlich die Absicht des Films, der fast beiläufig im Batman Universum spielt. Der Superheld kommt einem fast verloren vor in der richtigen Welt, wo er nun tatsächlich ein Freak und Außenseiter ist.
Das größte Problem des Films ist, dass man die Absurditäten eines Comics gerne verzeiht, solange es sich um ein Comic handelt. In THE DARK KNIGHT fallen die Ungereimtheiten also umso mehr ins Gewicht und stören erheblich den angestrebten Realismus. Anstatt eine lange Liste zu präsentieren (Batpod, Sonar, love triangle, Lucius Fox als Q etc.) konzentriere ich mich lieber auf den zentralen Widerspruch. Der Joker versinnbildlicht die Anarchie, das völlig ungeplante Dahindriften und erklärt in mehreren Reden sein Grundprinzip. Jeder seiner Taten zeugt jedoch von minutiöser Planung, verbunden mit einem erheblichen finanziellen, personellen und logistischen Aufwand.
Ein weiteres Problem ist das unausgewogene Timing und die verwirrend konstruierte Handlung. 2 1/2 Stunden Hochschaubahn lassen einem sowieso nicht viel Zeit zum Denken und man verlässt völlig erledigt den Kinosaal. Jokers Anarchie sollte ein Thema des Films, nicht aber sein Organisationsprinzip sein. Es gibt viel zu viele Charaktere, Handlungsstränge, plötzliche Wendungen, Episoden, Kämpfe, etc. Die Handlung des Films lässt sich kaum nacherzählen. Der Schlusskampf samt Schauplatz entwickelt sich nicht logisch aus dem Film, sondern taucht, wie so vieles, plötzlich aus dem Nichts auf. Nolan schwindelt sich ununterbrochen mit Tricks über eine ordentliche Kontinuität hinweg, von denen das Sonar nur die absurdeste Ausprägung ist.
Insgesamt lässt sich sagen, dass man den Film unbedingt noch einmal sehen muss, um ihn richtig einordnen zu können. Beim ersten Mal ist er viel zu überwältigend.

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Montag, 13. August 2007

Transformers

Liebe Junggebliebene!

Als ich noch ein kleiner Bubsi war und bei den Eltern wohnte, lief auf SKY ONE TRANSFORMERS im Kinderfernsehen. Das war Ende der 80er, als Roboter voll angesagt waren. Die Serie war kurzweilig und actiongeladen, diente aber natürlich hauptsächlich dem Vertrieb von HASBRO Kinderspielzeug.
Zwei Jahrzehnte später, Ende Juni dieses Jahres, lief ich die Treppen des FNAC (der französische MEDIA MARKT) in Aix en Provence hinunter, um mir im Keller die DVD und CD Angebote anzusehen. Unten angekommen konnte ich gar nicht anders, als auf den riesigen Bildschirm zu starren, auf dem gerade der Trailer zu Michael Bay's TRANSFORMERS (2007) auf erheblicher Lautstärke lief. Ich musste mir das Ding gleich noch einmal ansehen, weil ich, erstens, mittendrin eingestiegen war und, zweitens, der Trailer so geil aussah, dass ich mich fast nicht mehr einkriegte. Das sah wie eine fotorealistische, harte Liveactionversion des Zeichentrickklassikers aus und ich konnte es gar nicht mehr erwarten den Film im Kino zu sehen.
Sechs Wochen später war es dann so weit. Popcorn-, Cola- und M&M-bepackt (MAXI Menü oder wie das heißt) ließ ich mich dann neben meinem Schwager in den Kinosessel fallen. Und dann gings los. Wer das Hirn an der Kasse abgegeben hatte, konnte sich zwei Stunden lang an einem Actionkracher der Sonderklasse erfreuen. In dieser Hinsicht funktioniert der Film perfekt. Da mir das aber nur selten zu 100% gelingt, muss ich wieder einmal ein wenig herumnörgeln. Hier meine Kritikpunkte:

1) Zielgruppe(n):
Das Spielzeug spricht Kinder, der Film pubertierende Jugendliche und der Trailer eindeutig (junge) Erwachsene an. Bei fast jeder Szene im Film merkt man diesen faulen Kompromiss. Wenn Sams Vater aus dem Fenster blickt und die Transformers sich im Garten verstecken oder Bumblebee eine improvisierte HipHop-Nummer abzieht und locker daherredet, finden das Kinder sicherlich voll cool.
Wenn Sam als totaler Loser dann doch seine Tussi Megan Fox bekommt, die kess in kurzen Jeans herumstolpert, dann freuen sich die 13-jährigen.
Der Film mischt ständig Kinderhumor, Teenieklamotte und Actionfilm.

2) Militarisimus:
TOP GUN ist ein Scheißdreck gegen diesen Werbefilm für die US Army. Sam muss erst zum Soldaten werden, um als echter Mann zu bestehen und die Frau zu kriegen. Der amerikanische Held ist noch immer nicht totzukriegen.

3) Erzählstrategie:
Während die Serie aus der Sicht der Roboter erzählt ist und ihren Konflikt in den Vordergrund rückt, hat man sich für den Kinofilm entschlossen alles aus Sams Perspektive zu erzählen. Das hat seine Vor- und Nachteile. Ähnlich wie für die Hauptfigur tauchen ständig irgendwelche Roboter aus dem Nichts auf und sorgen für mächtig Chaos. Die halbe Zeit weiß man nicht so recht, was gerade passiert. Ich hätte mir ein bisschen mehr Hintergrund erwartet, besonders weil die Technologie der Roboter interessant wäre und das Hauptquartier der Autobots cool ausgesehen hätte.

Mein Schwager war restlos begeistert, weil er sich nicht mehr als einen Actionklamauk erwartet hatte. Für mich hatte der Trailer eindeutig mehr versprochen als der Film halten konnte. Die besten Szenen waren da nämlich schon verbraten worden. TRANSFORMERS leidet eindeutig am STAR WARS Episodes I-III Problem. Lucas wusste auch nicht so recht, für wen er die Filme eigentlich machte. Für die Fans der ersten Stunde waren sie zu kindisch und belanglos, für Kinder oft zu brutal.

Wirklich cool ist der menschengroße Decepticon, der sich in den Mainframe des Verteidigungsministeriums hackt. Ein völlig durchgeknallter Typ, der ständig mit sich selbst redet - höchstgradig unglaubwürdig, wie der Rest der Roboter, wegen seinen menschlichen Charakterzügen, aber sehr amüsant.

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Dienstag, 10. Oktober 2006

Die Heilige Handgranate von Antiochia

Liebe Python-Fans!

Vor kurzem kam ich mit Meister Genzel auf MONTY PYTHON AND THE HOLY GRAIL (1975) zu sprechen und erwähnte nur beiläufig, dass für mich die Heilige Handgranate von Antiochia der beste Teil des ganzen Films ist. Ich war natürlich auf die Frage WARUM? nicht vorbereitet (Wie auch? Auf so eine Frage kommt doch sonst niemand!) und reiche nun eine ausführliche Antwort nach.

Zuerst einmal zur Situation: King Arthur ist auf der Suche nach dem Heiligen Gral zu einer Höhle gelangt, in der sich der nächste Hinweis befindet. Leider wird diese von einem äußerst aggressiven Killerkarnickel bewacht. Nach einem ersten gescheiterten Versuch die Höhle zu stürmen, spielt sich nun folgende Szene ab:

LAUNCELOT:
Have we got bows?
ARTHUR:
No.
LAUNCELOT:
We have the Holy Hand Grenade.
ARTHUR:
Yes, of course! The Holy Hand Grenade of Antioch! 'Tis one of the sacred relics Brother Maynard carries with him. Brother Maynard! Bring up the Holy Hand Grenade!
MONKS: [chanting]
Pie Iesu domine, dona eis requiem.
ARTHUR:
How does it, um - how does it work?
LAUNCELOT:
I know not, my liege.
ARTHUR:
Consult the Book of Armaments!
BROTHER MAYNARD:
Armaments, chapter two, verses nine to twenty-one.
SECOND BROTHER:
And Saint Attila raised the hand grenade up on high, saying, 'O Lord, bless this Thy hand grenade that, with it, Thou mayest blow Thine enemies to tiny bits in Thy mercy.'
And the Lord did grin, and the people did feast upon the lambs and sloths and carp and anchovies and orangutans and breakfast cereals and fruit bats and large chu-
MAYNARD:
Skip a bit, Brother.
SECOND BROTHER:
And the Lord spake, saying, 'First shalt thou take out the Holy Pin. Then, shalt thou count to three. No more. No less. Three shalt be the number thou shalt count, and the number of the counting shall be three. Four shalt thou not count, nor either count thou two, excepting that thou then proceed to three. Five is right out. Once the number three, being the third number, be reached, then, lobbest thou thy Holy Hand Grenade of Antioch towards thy foe, who, being naughty in My sight, shall snuff it.'
MAYNARD:
Amen.
KNIGHTS:
Amen.
ARTHUR:
Right!
One!... Two!... Five!
GALAHAD:
Three, sir!
ARTHUR:
Three!
[angels sing]
[boom]

Einen Witz erklären ist immer eine schwierige Sache, aber ich werde es versuchen.

1) Eine "heilige Handgranate" ist für sich alleine genommen schon einmal ein Wahnsinn und spielt nicht nur auf die kriegerische Vergangenheit der Katholischen Kirche an, sondern auch auf die befremdliche Praxis, moderne Waffen wie Panzer oder Raketen für den Kriegseinsatz zu weihen.

2) "Die Heilige Handgranate von Antiochia" geht da noch einen Schritt weiter. Erstens wird impliziert, dass es mehrere heilige Handgranaten gibt, und zweitens, dass diese besondere ursprünglich in Antiochia verehrt wurde, wie das z.B. bei Reliquien der Fall ist. Bruder Maynard trägt sie als besonders verehrungswürdiges Objekt auf einem Samtpolster mit.

3) Das "Buch der Waffen" ist offensichtlich ein Teil der Bibel und beschreibt im Detail, wie man das Waffenarsenal Gottes zu bedienen hat. Der ursprüngliche Besitzer der Handgranate war der Heilige Attila, der eigentlich Hunnenkönig und nicht heilig war und somit gar nicht in den christlichen Kontext passt.

4) Der eigentliche "Bibeltext" ist eine wunderbare Parodie auf die Bücher Exodus und Levitikus, die zumindest in Teilen von der sogenannten Priesterquelle stammen. Diese Priester waren ritual- und detailbesessen, weil sie jedes Gebot direkt auf Gottes Wunsch zurückführen wollten. Hier ein Auszug aus EXODUS, Kapitel 25:

1 And the Lord spake unto Moses, saying, 2 Speak unto the children of Israel, that they bring me an offering: of every man that giveth it willingly with his heart ye shall take my offering. 3 And this is the offering which ye shall take of them; gold, and silver, and brass, 4 And blue, and purple, and scarlet, and fine linen, and goats' hair, 5 And rams' skins dyed red, and badgers' skins, and shittim wood, 6 Oil for the light, spices for anointing oil, and for sweet incense, 7 Onyx stones, and stones to be set in the ephod, and in the breastplate. 8 And let them make me a sanctuary; that I may dwell among them. 9 According to all that I shew thee, after the pattern of the tabernacle, and the pattern of all the instruments thereof, even so shall ye make it.

The Ark of the Testimony
10 And they shall make an ark of shittim wood: two cubits and a half shall be the length thereof, and a cubit and a half the breadth thereof, and a cubit and a half the height thereof. 11 And thou shalt overlay it with pure gold, within and without shalt thou overlay it, and shalt make upon it a crown of gold round about. 12 And thou shalt cast four rings of gold for it, and put them in the four corners thereof; and two rings shall be in the one side of it, and two rings in the other side of it. 13 And thou shalt make staves of shittim wood, and overlay them with gold. 14 And thou shalt put the staves into the rings by the sides of the ark, that the ark may be borne with them. 15 The staves shall be in the rings of the ark: they shall not be taken from it. 16 And thou shalt put into the ark the testimony which I shall give thee. 17 And thou shalt make a mercy seat of pure gold: two cubits and a half shall be the length thereof, and a cubit and a half the breadth thereof. 18 And thou shalt make two cherubims of gold, of beaten work shalt thou make them, in the two ends of the mercy seat. 19 And make one cherub on the one end, and the other cherub on the other end: even of the mercy seat shall ye make the cherubims on the two ends thereof. 20 And the cherubims shall stretch forth their wings on high, covering the mercy seat with their wings, and their faces shall look one to another; toward the mercy seat shall the faces of the cherubims be. 21 And thou shalt put the mercy seat above upon the ark; and in the ark thou shalt put the testimony that I shall give thee. 22 And there I will meet with thee, and I will commune with thee from above the mercy seat, from between the two cherubims which are upon the ark of the testimony, of all things which I will give thee in commandment unto the children of Israel.

Und so weiter und so fort. Natürlich habe ich den Witz mit meinen Erklärungen jetzt völlig ruiniert, aber ich finde das Konzept einer heiligen Handgranate immer noch sehr lustig.

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Dienstag, 3. Jänner 2006

Gigantomanie

Liebe Freunde des Spektakels!

Im Lauf der Geschichte erlagen schon viele Wahnsinnige der Illusion, dass die Größe der Unternehmung mit ihrer Bedeutung gleichzusetzen ist. Unser Landsmann Adolf Schicklgruber (aka Hitler) gehört wohl zu den bekanntesten Vertretern dieser Zunft. Alleine die Baupläne für Berlin (Germania) und Linz hätten ihm einen Platz im Pantheon der ganz großen Irren eingetragen.
Nun gibt es Maßlosigkeit aber nicht nur in der Politik, sondern auch im Film. Meistens landet ein aufstrebender Regisseur einen Bombenerfolg und erhält dann für den nächsten Film - sein Traumprojekt - so viel Geld vom Studio, dass es kein Halten mehr gibt. Da unzählige Beispiele vorliegen, sei hier nur Roberto Benigni genannt. DAS LEBEN IST SCHÖN erhielt 1998 3 Oskars (Actor in a Leading Role, Foreign Language Film, Music) und spielte in den USA - als ausländischer Film! - 60 Millionen und weltweit 230 Millionen Dollar ein. Daraufhin gab man dem guten Roberto nicht nur 45 Milionen Dollar, sondern auch freie Hand für sein nächstes Projekt PINOCCHIO (2002). Es lässt sich gar nicht in Worte fassen, wie grottenschlecht dieser Film ist. Die Referenzklasse sind natürlich Verhoevens SHOWGIRLS und Travoltas BATTLEFIELD EARTH. Da ich letzteren nicht kenne, kann ich nur folgendes sagen: SHOWGIRLS ist ein cineastischer Augenschmaus im Vergleich zu Benignis qualvoller und äußerst befremdlicher Adaption des Kinderbuchklassikers. Zu Recht wurde er von den Kritikern in der Luft zerfetzt und mit mehreren Razzies ausgezeichnet.
Aber nun zum eigentlichen Thema: Nach Peter Jacksons Triumph DER HERR DER RINGE, gab man ihm das größte bisher dagewesene Filmbudget (207 Millionen Dollar exklusive Vermarktungskosten - SPIDY 3 und SUPERMAN RETURNS, by the way, haben Budgets von 250 Millionen Dollar, kommen aber erst raus) und ließ ihm ebenfalls freie Hand. KING KONG, Jacksons Jugendtraum, ist ein Triumph der Maßlosigkeit. Bereits bei DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS, als der Erfolg der Trilogie schon lange gesichert war, verlangte er vom Studio extra Geld, um die Effektsequenzen noch spektakulärer zu gestalten. Während die Schwachkopfskis bei MATRIX 2 und 3 genau daran scheiterten (zu viel Budget, zu viele Effekte, zu wenig Menschliches), ging Jacksons Rechnung mit KING KONG erneut auf. Dabei ist der Film in jeglicher Hinsicht überbordend, um nicht zu sagen wahnwitzig. Das beste Beispiel ist vielleicht JURASSIC PARK 4: SKULL ISLAND, aka der Mittelteil des Films. Was als direkte Anspielung beginnt, endet in zwei Effektsequenzen, die, rein logisch gesehen, hirnrissiger nicht sein könnten: die Flucht vor der trampelnden Dinosaurierherde und die Allosaurus-Hochseiltrapeznummer. Völlig ungläubig sitzt man im Kino und freut sich wie ein kleines Kind über eine Sache, die es eigentlich nicht geben dürfte. Und da wären wir auch schon beim Kernstück des Films: Noch unglaublicher als die Monstershow ist die Vorstellung einer tragischen Liebesbeziehung zwischen einer Frau und einem 8 Meter großen Gorilla. Die Wahrscheinlichkeit, dass es lächerlich oder künstlich wirkt, ist riesengroß. Aber genau das ist es, was an diesem Film am besten funktioniert. Naomi Watts schafft es durch ihre außergewöhnliche Darstellung der Ann Darrow den Wahnsinn der Effektsequenzen in Vergessenheit geraten zu lassen. King Kong selbst ist neben New York City die wahre CGI-Meisterleistung des Films und spielt mehr als überzeugend. Damit gelingt, was bereits in HERR DER RINGE funktionierte: neben dem pompösen Effekteklamauk gibt es immer noch glaubwürdige Charaktere, auch wenn es sich um einen 8-Meter Gorilla handelt. Deshalb drehen Peter Jackson und James Cameron auch bessere Filme als George Lucas.

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Sonntag, 23. Oktober 2005

A History Of Violence

Liebe Pazifisten!

Mit A HISTORY OF VIOLENCE ist Cronenberg ein ganz außergewöhnlicher Film gelungen, dessen Komplexität sich dem Massenpublikum wahrscheinlich gar nicht, und dem kritischen Zuseher erst sehr spät erschließt. Dies liegt vor allem daran, dass Cronenberg Hollywoodklischees aus verschiedensten Filmgenres unkommentiert zitiert, um sie im Kontext des gesamten Films als äußerst bedenkliche, unreflektierte Überzeugungen der amerikanischen Öffentlichkeit zu entlarven: der American Dream, die Kleinstadtidylle, die Bedrohung von außen, das Recht auf Waffenbesitz und die gewaltsame Verteidigung seines Grundstücks, die Rechtschaffenheit des Durchschnittsamerikaners, die Gewaltverherrlichung oder -verharmlosung durch Humor, Coolness und Ausblenden der Folgen. Der Film erinnert mich an STARSHIP TROOPERS, in dem Verhoeven den Amerikanern einen Spiegel vorhält und die faschistoiden Züge ihrer Ideologie aufzeigt. Diese Sozialkritik, die von der ersten Minute an präsent ist, versteckt er unter dem Deckmantel eines Beverly Hills 90210 SF Spektakels. Da verwundert es wenig, dass viele Zuseher sehr spät oder gar nicht begriffen, dass hier ziemlich subversiv am Fundament der amerikanischen Überzeugungen gerüttelt wird. Cronenberg geht auf ganz ähnliche Weise vor: Auf fast unerträgliche Weise inszeniert er die amerikanische Kleinstadtidylle eines "Doc Hollywood", das moralische Schwarz-Weiß-Denken eines Westerns, die Coolness eines Quentin Tarantino Streifens, den Flair eines Mafiaepos und natürlich die große Attraktivität eines Actionhelden, der sich gewaltsam für die gute Sache einsetzt. Und dann zerstört er erbarmungslos jedes dieser Klischees und veranschaulicht, dass es keinen gerechten Krieg gibt - weder im Großen noch im Kleinen. Manohla Dargis, der den Film am 23 September für die New York Times rezensierte, stellt richtigerweise fest, dass die amerikanische Geschichte immer schon A HISTORY OF VIOLENCE war und sich Gewalt wie ein roter Faden durch alle Aspekte der amerikanischen Kultur zieht - von der Politik bis zum Film. Als linksliberales Blatt ist die TIMES natürlich kritisch. In den Reaktionen anderer Kritiker läßt sich sehr schön ablesen, inwieweit der Film als Bestätigung des amerikanischen Kurses oder als dessen scharfe Kritik empfunden wird. Der Film selbst lässt viele moralische Fragen offen.
Die Kernaussage ist sicherlich, dass Gewalt nicht von außen (Terroristen, Einwanderer, herumziehende Vagabunden, Verbrecherbanden etc.) in die friedliche amerikanische Idylle hineingetragen wird, sondern immer schon ein fester Bestandteil des Gefüges war. Der Film nimmt auf die alteingesessenen Mafiabanden und deren Gewaltherrschaft Bezug, aber wenn man bis zur Kolonisierung zurückginge, läge man auch nicht falsch. Wie der Film zeigt, werden in jeder Highschool dieses großen Landes Schüler systematisch isoliert und fertiggemacht. Sozialdarwinismus ist nicht eine traurige Folge eines unfinanzierbaren Sozialsystems, sondern ein ideologischer Grundpfeiler des amerikanischen Liberalismus.
Der Ästhetisierung und Verharmlosung von Gewalt wird mit Realismus begegnet: hier wird nicht cool weggepustet, sondern grausam, kaltblütig und nüchtern hingerichtet und abgeschlachtet. In zwei besonders schmerzhaften Einstellungen darf man noch lebenden Personen ins Gesicht sehen, denen in einem Fall die Nase, im anderen der Unterkiefer zertrümmert bzw. weggeschossen wurde. Da der Film sehr bewußt Gewalt mit Humor, Sympathie, Coolness, Notwendigkeit und Sex in Verbindung bringt um diese Assoziationen sofort heftigst anzuzweifeln, ist spätestens mit dem Filmende klar, dass es keine einfachen Antworten gibt. Dass sich viele Amerikaner trotzdem von diesem Film in ihrer militaristischen Grundhaltung bestätigt fühlen, ist eigentlich der schönste Beweis für Cronenbergs oder Verhoevens berechtigte Kritik: selten ist man bereit die Prämissen seines eigenen Denkens anzuzweifeln. Also werden wieder nur linksliberale Grünwähler und Softies die Polemik des Films erkennen und der Rest mit Roger Ebert the Survival of the Fittest feiern.

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Montag, 23. Mai 2005

Episode III - Deranged as the Sith

Liebe Jediritter!

"The general opinion of 'Revenge of the Sith' seems to be that it marks a distinct improvement on the last two episodes, 'The Phantom Menace' and 'Attack of the Clones.' True, but only in the same way that dying from natural causes is preferable to crucifixion." (Anthony Lane, The New Yorker, 23 May 2005)

Episode III ist "eine Niere ohne Reh, eine Ente ohne Xylophon, eine Irrfahrt ohne Schnecken". Besser als mit Ernst Jandls Worten ("Prosa aus der Flüstergallerie") lässt sich der Film wohl nicht beschreiben. Es mag ja sein, dass Schorsch "Hau den" Lucas bei diesem Racheakt einige Fehler der ersten beiden Teile vermieden hat, aber seine unverkennbare Handschrift zeigt sich auch jetzt noch in jedem Detail. Vielleicht sollte ich ein paar Beispiele bringen:

Der opening crawl von REVENGE liest sich folgendermaßen:

Episode III
REVENGE OF THE SITH

War! The Republic is crumbling under attacks by the ruthless Sith Lord, Count Dooku. There are heroes on both sides. Evil is everywhere.
In a stunning move, the fiendish droid leader, General Grievous, has swept into the Republic capital and kidnapped Chancellor Palpatine, leader of the Galactic Senate.
As the Separatist Droid Army attempts to flee the besieged capital with their valuable hostage, two Jedi Knights lead a desperate mission to rescue the captive Chancellor....

Vielleicht fehlt mir der Blick für die komplexen semantischen Nuancen dieses Prologs, aber selbst dem linguistischen Laien drängt sich hier der Verdacht auf, dass die Republik ums Überleben kämpft und die Situation ziemlich ausssichtslos ist. Aber weit gefehlt. Die ersten Einstellungen stürzen den Zuseher in ein Chaos optischer Eindrücke, in dem man nur die Silhuetten einiger Großraumschiffe und zahlreiche Explosionen ausmachen kann. Lucas hat jeden Quadratzentimeter mit Animationen zugekleistert, deren Dichte selbst der MTV Generation keine Chance gibt, irgendetwas zu erkennen. Anakin und Obi-Wan sind wie immer die Ruhe selbst. Die "desperate mission" scheint gar nicht so aussichtslos zu sein, da den beiden ohnehin alles gelingt. Das wirklich Unfassbare aber ist, dass Lucas diese Anfangsminuten als Droidenoperette inszeniert. Als Gegengewicht zum traurigen Ende lässt er hier ein paar Roboter herumkasperln, damit der Beginn nicht gleich zu düster wird. Wurde uns die Situation nicht gerade als dramatischer Überlebenskampf beschrieben? Andererseits waren Sklaverei und Tyrannei in Episode I auch halb so schlimm. General Grievous (aka Hustinettenbär) ist für sich genommen durchaus originell, verstärkt aber durch seine Anwesenheit nur den Absurditätsgrad dieser Sequenz.
Seit WARS und EMPIRE hat Lucas zunehmend vergessen, dass Actionszenen (hier: Krieg) erstens ordentlich in die Rahmenhandlung integriert werden müssen, zweitens irgendein Ziel brauchen und drittens mehr Bedeutung gewinnen, wenn echte Menschen (nicht Roboter, Klone, Ewoks, Gungans, Wookies etc.) darin verwickelt sind. Der moderne Begriff "set piece" für eine solche Sequenz drückt das Problem perfekt aus: sie wird wie ein selbständiges Modul einfach in den Film reingeschoben. REVENGE hat zahllose solcher Szenen, die dem Zuseher sagen: "Aufgepasst! Ich sehe verdammt cool aus!" Da möchte man dann gerne antworten: "Natürlich siehst du cool aus, aber du bist es einfach nicht!" Niemand hat den Unterschied zwischen cool und uncool besser herausgearbeitet als die Schwachkopfskis in MATRIX mit den Teilen 1 und 2/3. Lucas steht ihnen da in nichts nach.
Ich könnte mich jetzt noch eine Zeit lang über die Unglaubwürdigkeit einiger Szenen und den fehlenden Fokus in der Erzählweise auslassen, aber im STAR WARS Kontext ist das eher müßig. Jeder fliegt herum und keiner weiß warum. Insgesamt ist der Film trotz allem unterhaltsam, aber letztendlich belanglos. Der große Endkampf ist fetzig inszeniert, verliert aber sofort wieder an impact, wenn dieser verdammte Hebammendroid die Zwillinge auf die Welt bringt. Muss sich die sterbende Amidala wirklich die Kinder von einem grün- und blauäugigen Roboter rausziehen lassen? Diese Einstellung zeigt mehr als alles andere, dass Lucas den Kontakt zum Menschsein völlig verloren hat und nur mehr der steril-klinischen Oberfläche huldigt.

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Montag, 18. April 2005

Arthouse

Liebe Cineasten!

Das Wort "Arthouse" habe ich in meinem Kursbuch für Neudeutsch gelernt, das kostenlos in allen Kinos und Mensen unter der irreführenden Bezeichnung M-Magazin aufliegt. Da ich nach deren Diktion ziemlich "old school" bin, checke ich jetzt - als Gegenmaßname - jede Woche die coolsten neudeutschen Wörter aus. In der DVD Sektion erfahre ich also, dass die Filme, die ich im DAS KINO sehe, zur Kategorie "Arthouse" gehören. Wessen "Art" (des Regisseurs?) und "House" (des Kinobetreibers?) damit gemeint sind, entzieht sich meiner Kenntnis.
Jedenfalls war ich in letzter Zeit wieder brav unterwegs und habe mir einige Filme angesehen, die in diese Kategorie passen könnten. Dabei fiel mir auf, dass sich auch hier eine eigene Gruppe von Versatzstücken herauszubilden scheint, ähnlich der, die wir alle schon zur Genüge aus dem Massenkino kennen. Während dort schon vorher klar ist, dass Bruce Willis wieder einmal zwei Stunden barfuss über Glasscherben laufen wird, bis er alle Terroristen abknallt, kann ich mich hier ebenfalls schon auf gewisse Dinge verlassen: das Sozialdrama mit offenem Ende, der unheilbare Kranke, der am Ende stirbt, das kleine verwaiste Kind, das eine Vaterfigur findet etc. Während die schauspielerischen Leistungen konsistent hoch sind, flachen die Geschichten immer mehr ab. Dieses so genannte alternative Kino oder Kunstkino, wird immer mehr zu einem eigenen etablierten Genre, das wie der große Bruder unter der Redundanz der Stoffe leidet. Vielleicht sollte ich ein paar Beispiele bringen.
Million Dollar Baby war die herbste Enttäuschung. Drei Teile Rocky als Frau plus ein Teil unheilbar Kranke, die am Ende stirbt, ergibt (rein handlungs- und ideenmäßig gesehen) einen superflachen Film, der nur durch die Größe der Schauspieler und die hervorragende Produktion gerettet werden. Boxfilme gehören ja mit zum Dünnsten und Dümmsten, was sich Drehbuchautoren je haben einfallen lassen. Eigentlich gibt es nur eine mögliche Handlung und ich erspare mir hier die Details. Den finalen Sieg durch ein bereits klischeehaftes Arthouse-Ende (Philadelphia, My Life without Me, Mar Adentro etc.) zu ersetzen, mag ja manchem als Geniestreich vorkommen.
Maria, llena eres de gracia ist auch sehr bemüht dem Arthouse-Standard gerecht zu werden. Dieses Mal ist es ein Sozialdrama mit offenem Ende, das beim Sundance Filmfestival den Publikumspreis gewann. Die Schauspieler sind wieder gut und die Geschichte ist wieder sozialkritisch bla bla bla, aber eigentlich bleibt da auch nichts wirklich in Erinnerung.
Sideways hingegen fand ich extrem witzig. Komödien haben den Riesenvorteil, dass sie mit Klischees herumspielen können und dieser Umstand der Geschichte eher hilft als schadet. Als überzeugter Rotweintrinker war ich für diesen Streifen sowieso prädestiniert, aber ich vermute, dass er auch für Bier- und Limonadenfreunde funktioniert.
Zum Abschluss möchte ich zum Ausgleich noch ein paar Filme aufzählen, die mir wirklich gut gefallen haben: Lost in Translation, Lantana, Whale Rider, Crouching Tiger & Hidden Dragon, Frida, City of God, Amores Perros (parts of it) und Todo sobre mi madre, um nur einige zu nennen. Jetzt könnt ihr über mich herfallen und nachweisen, warum auch hier nur Klischees vorkommen.

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Samstag, 16. April 2005

OB1 und die Klone

Liebe Jar-Jaristen!

Ich bin ja, um es einmal in aller Deutlichkeit zu sagen, ein Mann der fast ersten Stunde. Als vor ziemlich genau 21 Jahren der Trailer von "Die Rückkehr der Jediritter" in Frank Hoffmanns Kinomagazin "Trailer" (Anscheinend hat der Typ, der sich jetzt die deutschen Verleihtitel amerikanischer Filme ausdenkt, früher Fernsehsendungen benannt) lief, war das ungefähr so geil wie die Anfangssequenz von Knight Rider. Also saugeil. Als da ein AT-ST (All Terrain Scout Transport) durch den Dschungel des Waldmondes Endor stapfte, war mein Glück ohne Grenzen. Star Wars, The Lord of the Rings, Dune - das waren meine Welten. Damals schleppte ich sogar meine Schwestern und meinen Vater ins Kino, um alle drei Teile innerhalb von zwei Wochen zu sehen. (Damals gab es noch keine triple features.) Wenn man sich vorstellt, dass die meisten Effektsequenzen aus Star Wars heute noch ganz ordentlich aussehen, dann muss man sich das Erlebnis vor 20 Jahren einmal vorstellen. Damals gab es gar nichts: keine PCs, kein Internet, keine Referenz für Filme dieser Art. Und Darth Vader war noch echt böse: Den ersten Rebellen, den er erwischt, hebt er mit einer Hand am Hals hoch, drückt zu, bis das Genick bricht und wirft den leblosen Körper an die Wand. Da konnte man sich trotz aller Märchenelemente die Bedrohung durch diesen Typen noch echt vorstellen. Wenn man sich aber Episode 1 ansieht, wie da Sklaverei und Tyrannei verharmlost werden, verstehe ich wirklich nicht mehr, was das soll. Jar-Jar Binks zieht im Überlebenskampf seines Entenvolks (Howard the Duck läßt grüßen!) eine Slapsticknummer nach der anderen ab und wenn Anakin das Droidenkontrollschiff der Handelsföderation zerstört, muss ich immer fürchterlich weinen, weil die Roboter noch so viele dieser verdammten Mutanten hätten abschlachten können. "Return of the Jedi" ist ja aus heutiger Sicht auch ein Trauerspiel, genau so wie David Haselnuss und Knight Rider.
Zu meinen Lieblingsspekulationen in der Zeit vor Episode I gehörte, dass Obi-Wan selbst ein Klon sei und sein Name für OB-1 stehe, also den Prototypen eines Klonzuchtprogramms. Damals, vor 12 Jahren, hatten wir alle noch Hoffnungen.

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Donnerstag, 14. April 2005

King Kong

Liebe Obstler!

Peter Jackson und King Kong sind Seelenverwandte. Daran besteht kein Zweifel. Als P.J. als junger Silberrückengorilla im Dschungel Neuseelands unter lauter Menschen aufwuchs, war King Kong die einzige Identifikationsfigur. Jeden Tag ging er in die Nachmittagsvorstellung und floh in die Fantasiewelt von Skull Island. Beide kamen übrigens an Halloween zur Welt und waren dadurch, rein astrologisch gesehen, für die höheren Weihen des Freakdoms bestimmt. Im Moment boomen ja die sogenannten "biopics" und "King Kong" ist nur ein weiterer Film dieser Modeerscheinung, die gerade mit "Ray" einen Höhepunkt erlebte und wahrscheinlich bald wieder abebbt. Ein bisschen erinnert mich die Sache ja an George Lucas, der mit Episodes I-III seinem Idol Jar-Jar Binks gerade ein filmisches Monument setzt. Ursprünglich hieß die Serie ja "Jar Wars" und handelte von Binks Skywalker. Aber die Produzenten der "Teletubbies" fanden die Geschichte zu grausam für 3-jährige und Lucas musste das gesamte Drehbuch, also alle 5 Seiten, komplett umschreiben. Aber zurück zu P.J.
Nicht nur, dass die Leute von Universal dem guten Pete ein kolportiertes Budget von 200 Millionen Dollar für diesen Streifen zur Verfügung stellten, sie plünderten jetzt auch ihre piggy bank (Rücklagen für Teil II und III von "Chronicles of Riddick") und gaben stattdessen Teil II und III von "King Kong" in Auftrag, noch bevor der Streifen überhaupt im Kino angelaufen ist. Aber es kommt noch besser: In "Son of Kong" und "Into the Wolf's Lair" kämpft der Sohn King Kongs auf Seiten der Amerikaner im zweiten Weltkrieg gegen genetisch manipulierte Nazimonster. Ausnahmsweise geht hier nicht die Fantasie mit mir durch. Bitte geht auf die Seite http://www.kongisking.net/index.shtml und ladet euch das production diary day 123 runter. Ich kann übrigens die ganze Serie der production diaries jedem Filminteressierten empfehlen. Am Schluss möchte ich noch schnell sagen, dass ich Peter Jackson für einen der größten Regisseure des Massenkinos halte.

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